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    Präsenz zeigen, wo Pressefreiheit bedroht ist

    Präsenz zeigen, wo Pressefreiheit bedroht ist

    EJF-Präsident Mogens Blicher Bjerregard (links) mit den dju- Delegierten Ricardo Gutierrez EJF-Präsident Mogens Blicher Bjerregard (links) mit den dju- Delegierten

    Kollegen aus mehreren Balkan-Staaten berichteten von Übergriffen und Behinderungen

    Die EJF zeigt Präsenz, da wo Pressefreiheit besonders bedroht ist: Auch das ein Grund, die Einladung der Mitglieder aus Montenegro anzunehmen und das Jahres-Treffen in Budva abzuhalten. Kollegen aus mehreren Balkan-Staaten berichteten den 80 Teilnehmern am 2. und 3. Juni 2015 von Übergriffen und Behinderungen. Janina Hrebickova, Botschafterin der OSZE in Montenegro und selbst ehemalige Journalistin, und Christian Spahr von der Konrad-Adenauer-Stiftung bestätigten die Einschätzung in vielen Punkten.

     

    EJF-Treffen in Montenegro mit Berichterstattern vom Balkan Ricardo Gutierrez EJF-Treffen in Montenegro mit Berichterstattern vom Balkan

    Marijana Camovic, Vorsitzende der Mediengewerkschaft in Montenegro, betonte: „Die Arbeitsbedingungen sind so mies wie nie. Jeder, der die Möglichkeit hat, wechselt in andere Berufe.“ Sie fordert gesellschaftliches Umdenken: „Pressefreiheit darf kein Lippen-Bekenntnis bleiben.“ Dragana Cabarkapa aus Serbien sieht die Lage in ihrem Heimatland ebenfalls als kritisch an, ist aber optimistisch. Die Solidarität der EJF und anderer Organisationen werde helfen, die Lage zu verbessern.

    Die EU-Mitgliedschaft allein ist keine Garantie für Verbesserungen, wie Anton Filic aus Kroatien hervorhebt. Weitere Anstrengungen seien nötig. Vassil Sotirov aus Bulgarien wünscht sich mehr Druck aus Brüssel: „Manches ist nur auf dieser Ebene zu lösen.“ OSZE-Botschafterin Hrebickova bekräftigte: „Die Medien sind die vierte Säule der Demokratie. Die Menschen müssen erkennen, das starke und unabhängige Medien dazu beitragen, dass der normale Alltag einfacher wird.“

    Tomislav Kezarovski aus Mazedonien gab ein besonders eindrückliches Beispiel für Entschlossenheit. Der Journalist ließ sich auch durch Drohungen und Gefängnis nicht einschüchtern. Erst jüngst sei er erneut gewarnt worden: „Doch diese Leute klopfen an die falsche Tür.“ Journalistische Unabhängigkeit gehört in seinen Augen zu den Grundvoraussetzungen einer pluralistischen Gesellschaft.

    Dragan Sekulovski, Delegierter aus Mazedonien bestätigte: In seinem Heimatland kam es mehrmals zu Übergriffen gegen Journalisten. 20 Fälle sind in jüngster Zeit protokolliert worden. Gerade am Beispiel von Kezarovski habe sich gezeigt, dass internationaler Druck und Solidarität im Land selbst ihre Wirkung zeigen (in Skopje hatten sich mehrere Tausend Menschen versammelt und die Freilassung des Inhaftierten erreicht).

    Als Konsequenz vereinbarten die Delegierten mit der EJF intensive Kooperation. Ein Antrag, die Länder auf dem Balkan und am Schwarzen Meer besser zu vernetzen, wurde einstimmig beschlossen. Gemeinsam wollen die Gewerkschaften Informationen zusammentragen und bündeln. Die EU soll dazu gedrängt werden, bei Verstößen gegen Pressefreiheit frühzeitig aktiv zu werden. Gemeinsame europäische Standards müssten umgesetzt werden.

    Der zweite Bericht aus Budva von unserem dju-Delegierten Joachim Kreibich

    Zum ersten Bericht