"We stand in solidarity" - Unterstützung für die Ukraine

05.03.2022
Solidaritätsdemonstration in Berlin

Statements für Frieden und Pressefreiheit - Spenden für verfolgte Journalist*innen - Solidaritätsaktionen in Redaktionen - Moskau verstärkt Druck auf Journalist*innen und Medien

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di hat einen Tag nach Kriegsbeginn, der alle erschüttert hat, zusammen mit der Europäischen Journalistenföderation EJF, deren Mitglied die dju ist, und vielen weiteren Organisationen die russische Invasion der Ukraine und die Attacken auf die Pressefreiheit in Russland und der Ukraine scharf verurteilt. Die zunächst 34 Journalist*innen-, Menschenrechts- und Pressefreiheitsorganisationen aus 28 Ländern erklärten ihre Solidarität mit dem ukrainischen Volk und den ukraininischen Journalist*innen, die sich nun mitten in einem europäischen Krieg wiederfinden: "Wir verurteilen einmütig die Gewalt, die tausende von Journalist*innen überall in der Ukraine in Gefahr bringt." Inzwischen haben mehr als 50 Organisationen das Statement unterzeichnet, das sich auch gegen Cyberttacken, Desinformation und Unterdrückung der Presse wendet. Weitere Organisationen sind aufgefordert, die Erklärung zu unterzeichnen.

Einen ausführlichen Überblick über die Ereignisse seither bietet die EJF auf ihrer englischsprachigen Startseite. Die EJF bittet zusammen mit der Internationalen Journalistenföderation IJF um Unterstützung der  unabhängigen Journalist*innen in Russland, die nach dem EU-Verbot von RT.de und Sputnik in der EU mit Strafen bis zu 15 Jahren Gefängnis bedroht sind, wenn sie angeblich Falsches über den Ukraine-Konflikt berichten. Davon sind auch Korrespondent*innen bedroht, weshalb ARD und ZDF vorerst nicht mehr aus Russland direkt berichten. Die "Washington Post" versuchte einen anderen Weg und nennt die Autor*innennamen nicht mehr, berichtet M Online. Inzwisschen sind die Korrespondent*innen von ARD und ZDF wieder in Moskau, berichten aber nur noch über die russische Inlandspolitik. Reporter ohne Grenzen hat ein "Zentrum für Pressefreiheit in Lwiw eröffnet", um dort Journalist*innen mit Schutzausrüstung versorgen zu können und psychologische wie finanzielle Unterstützung zu bieten.

Verschiedene Spendenaktionen für ukrainische Kolleg*innen sind ins Leben gerufen worden:

  • Die Europäische Journalistenföderation EJF hat einen "Ukraine Safety Fund" ins Leben gerufen, um die Gewerkschaften National Union of Journalists of Ukraine (NUJU) und die Independent Media Trade Union of Ukraine (IMTUU) zu unterstützen, Leben zu retten und die Medien zu erhalten. Mehr zum Ukraine Safety Fund.
  • Netzwerk Recherche ruft gemeinsam mit den Partnern n-ost, FragDenStaat, Reporter ohne Grenzen und der taz Panter Stiftung zu Spenden auf, um den Kolleg*innen Schutz- und Notfallausrüstungen zu finanzieren. Die Exiljournalist*innen, die das Land bereits verlassen mussten, sollen unterstützt werden. Die Initiative sammelt auf betterplace.org.
  • Auch die Verleger rufen mit Zeitungsanzeigen zu Spenden für die Menschen in der Ukraine und die Geflüchteten auf. Partner unter dem Motto #ZeitungenHelfen ist das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe, in dem sich Caritas International, Unicef, Deutsches Rotes Kreuz und Diakonie Katastrophenhilfe zusammengeschlossen haben. Die Anzeige zur Spendenaktion kann von der Website des BDZV in verschiedenen Formaten sowohl für die Printausgaben als auch für die digitale Nutzung heruntergeladen werden.

Tina Groll, dju-Bundesvorsitzende, stellt die direkte Betroffenheit aller Journalist*innen fest: "Es ist Krieg in Europa. Und wir Journalistinnen und Journalisten sind als Berichterstatter*innen und Akteure selbst mitten drin. Denn in diesem Krieg geht es auch um die Pressefreiheit und den freien Zugang zu unabhängigen Informationen. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalistenunion (dju) in ver.di verurteilt den brutalen Angriffskrieg des russischen Machthabers Wladimir Putin auf das ukrainische Nachbarland und erklärt sich solidarisch mit den Menschen in der Ukraine."

 
Tina Groll, Bundesvorsitzende der dju in ver.di

Sie setzt auch auf den persönlichen Einsatz von Journalistinnen, nicht nur auf Spendenaufrufe: " Und wir können auch selbst tätig werden. Denn mit den Geflüchteten aus der Ukraine werden auch viele Kolleginnen und Kollegen zu uns kommen, die hier in Redaktionen sicher gebraucht werden können. Wir als dju in ver.di regen daher an, dass viele Kolleginnen und Kollegen sich einsetzen, um Arbeitsmöglichkeiten für geflohene ukrainische Journalistinnen und Journalisten zu schaffen. Dies ist auch eine Chance, in schwierigen Zeiten zusammenzustehen und als europäische Nachbarinnen und Nachbarn zusammenzuwachsen."

 
Friedensengel für Gerechtigkeit

Der PEN hat sich mit einem Offenen Brief besonders an die Kolleg*innen in der Ukraine gewandt. Mehr als 1000 Schriftsteller*innen und Autor*innen weltweit verurteilen darin Russlands Einmarsch in die Ukraine. Betont wird: „Alle Menschen haben ein Recht auf Frieden, freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit. Putins Krieg ist ein Angriff auf Demokratie und Freiheit, nicht nur in der Ukraine, sondern auf der ganzen Welt. Wir rufen gemeinsam zum Frieden auf und fordern ein Ende der Propaganda, die die Gewalt schürt. Es kann kein freies und sicheres Europa ohne eine freie und unabhängige Ukraine geben.“

 
Stop War Now!

Weitere Aktionen und Aufrufe

Viele weitere Aktionen und Erklärungen von Kunstschaffenden und Gewerkschaften sind auf der Seite "Stop War Now!" des ver.di-Bereichs Medien, Kunst und Industrie zu finden.
sus

 

Demonstrationen, Konzerte, Lesungen gegen den Krieg

Die Bilder vom Brandenburger Tor stammen von der großen Anti-Kriegs-Demonstration am 27. Februar, zu der mehr als 500.000 Menschen kamen und bei der auch ver.di-Vorsitzender Frank Werneke gesprochen hat. Einen ausführlichen Bericht dazu gibt es bei M Online.

Seither hat es viele weitere Demonstrationen und Kunstaktionen gegen den Krieg in der Ukraine gegeben. Vom umgewidmeten Rosenmontagszug in Köln, Kundgebungen in vielen deutschen Städten, Benefizkonzerten bis zur Nachtwache der Neuen Nationalalerie oder der Schriftsteller-Kundgebung am Bebelplatz in Berlin gab es zahlreiche Proteste. Bei den Berliner Aktionen ist vielfach die Russische Botschaft Unter den Linden das Ziel.