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    dju-Tarifinfo: Sozial austarierte Einkommenserhöhungen und Anerkennung für Zeitungsjournalistinnen und -journalisten

    Reallohnverlust im Vergleich zur Gesamtwirtschaft dju in ver.di Reallohnverlust im Vergleich zur Gesamtwirtschaft

    dju in ver.di fordert eine Festbetragserhöhung von 200 Euro und 500 Euro Corona-Prämie für eine Laufzeit von 12 Monaten

    16.11.2021

    Für die am 26. November zwischen dem Verlegerverband BDZV, der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di sowie dem DJV beginnende Tarifverhandlung, die etwa 12.000 Zeitungsredakteurinnen und –redakteure betrifft, fordert die dju in ver.di eine finanzielle Anerkennung der Arbeit in Pandemie-Zeiten durch eine Corona-Prämie, sozial austarierte Gehaltserhöhungen und echte Reallohnsteigerungen. Nach den Erfahrungen aus vergangenen Tarifrunden erwartet die dju in ver.di erneut schwierige Verhandlungen, um eine tatsächliche Steigerung des Realeinkommens für möglichst viele Redakteurinnen und Redakteure zu erreichen. Gelingen kann dies letztlich wohl nur mit einer ausgesprochenen Durchsetzungsstärke.

    Jetzt sind Zeitungsredakteur*innen mal wieder am Zug

    Über zwei Jahre hat es keine Einkommenssteigerungen gegeben, aktuell gibt es Rekordwerte bei der Inflation und seit dem Frühjahr 2020 starke Belastungen im Homeoffice für den Großteil der Zeitungs-Kolleg*innen. Die Pandemie hat die Arbeitsbedingungen auf allen Ebenen geprägt und Journalistinnen und Journalisten haben deren Auswirkungen in unserer Gesellschaft eingeordnet, erklärt und kritisch begleitet. Zunehmend finden sich unsere Kolleg*innen auch selbst im Fokus von gesellschaftlichen Ausei-nandersetzungen. Mit unserer Tarifforderung sollen gerade junge Journalist*innen zur allgemeinen Einkommensentwicklung aufschließen. Der Berufsweg in die Zeitungsredaktionen muss wieder attraktiv gemacht werden. Zu lange hat es keine spürbaren Einkommenserhöhungen gegeben. Über die letzten Jahre und letzten beiden Jahrzehnte hat es einen Reallohnverlust und ein Abkoppeln von der allgemeinen Einkommensentwicklung gegeben. In allen Regionen und Städten, in denen Zeitungen erscheinen, sind die Lebenshaltungskosten stärker gestiegen als die Gehälter in Redaktionen. Die Einkommenssteigerungen in anderen Branchen führen dagegen dazu, dass immer weniger Kolleg*innen ihren Weg in die Re-daktionen suchen oder immer mehr die Branche auch ganz verlassen.

    Corona-Prämie als Mindestanerkennung für zwei Jahre Journalismus in Pandemie-Zeiten

    Bevor es um Einkommenssteigerung geht, soll es auch um dringend nötige Anerkennung gehen. Seit dem Frühling 2020 arbeiten viele Zeitungsjournalist*innen unter schwierigen Bedingungen andauernd in Mobilarbeit, Homeoffice und nur noch selten in der Redaktion. Die Kosten für Energieverbrauch, Ausgaben für einen heimischen Arbeitsplatz und die Arbeitserschwernis beim Schreiben, Beiträge bearbeiten und Herstellen der Zeitung außerhalb der Redaktionsräume wurde in den wenigsten Fällen annähernd würdig abgegolten. Außer Dank muss es auch eine finanzielle Abgeltung dieses an Geldbeutel und Nervenkostüm zerrenden Aufwands geben. Letzteres kennen alle Journalist*innen in besonderer Schärfe, die auch noch Homeschooling neben ihrer Redaktionsarbeit leisten mussten. Doppelbelastung ist dafür noch eine Untertreibung. Für eine finanzielle Würdigung ist bis Ende März 2022 eine reine Corona-Prämie noch ohne Abzug von Sozialversicherungsbeiträgen und Einkommenssteuer möglich. Die dju in ver.di fordert 500 Euro, die sowohl für die Journalist*innen als auch die Verlage den günstigsten Weg einer Anerkennung für die vergangenen fast zwei Jahre Pandemie darstellen. Je nach Gehaltshöhe macht das bei einer zweijährigen Pandemie-Dauer monatlich zwischen 4,4 Prozent (Tarifgruppe 3a 1.-4. Berufsjahr) und unter 1 Prozent für höhere Gehaltsgruppen ab Tarifgruppe 3 ab 15. Berufsjahr aus.

    Festbetragserhöhung ist richtige Antwort auf gestiegene Lebenshaltungskosten dju in ver.di Festbetragserhöhung ist richtige Antwort auf gestiegene Lebenshaltungskosten

    Festbetragserhöhung ist die richtige Antwort auf gestiegene Lebenshaltungskosten

    Mit einem gleichmäßigen Erhöhungsbetrag für alle Tarifgruppen steigen die Gehälter prozentual betrachtet unterschiedlich stark. Das ist solidarisch und sozial austariert, da Redaktionskolleg*innen mit niedrigerem Gehalt bei besonders ansteigenden Lebenshaltungskosten dem stärksten Druck durch Preissteigerungen ausgesetzt sind. Durch einen Festbetrag von 200 Euro sollen besonders Berufseinsteiger*innen und junge Redakteur*innen eine wirksame Reallohnsteigerung zwischen 6 und 5 Prozent erhalten, für höchste Tarifgruppen in der Redaktionsleitung bedeutet dies 3,2 Prozent. Außerdem macht das Ringen um gut ausgebildete Berufseinsteiger*innen auch vor Zeitungsredaktionen nicht Halt. Bei allem unterstellten Engagement und innerer Überzeugung, dass der Zeitungsjournalismus ein schöner und für die Gesellschaft unverzichtbarer Beruf ist, er muss sich auch als Lebensmodell lohnen. Beim Berufseinstieg stellt sich für jede und jeden gut ausgebildete/n Journalistin und Journalisten die Frage: Ist der Weg in einen privatwirtschaftlichen Verlag der richtige oder soll es in eine andere Branche gehen? Wir hoffen, mit unserer Tarifforderung wird die Antwort wieder häufiger im Verlag gesucht. Die Forderungen der dju in ver.di stellen im Durchschnitt eine Erhöhung um 5 Prozent dar. Um diesen Wert von 5 Prozent sollen auch die Honorare für freie arbeitnehmerähnliche Journalist*innen steigen.

    Laufzeit 12 Monate

    Die dju in ver.di möchte angesichts der ungewissen Perspektive auf Ausmaß und Entwicklung der steigenden Lebenshaltungskosten nur eine Laufzeit von 12 Monaten und damit bis Ende Dezember 2022 verhandeln. Für jede längere Laufzeit ist derzeit die Planungsgrundlage unklar.

    Volontariat muss wettbewerbsfähig bezahlt werden

    Der dju in ver.di ist die Ausbildung und die Bezahlung im Volontariat gleichermaßen wichtig. Ein Zeitungsvolontariat muss neben hochwertigen Schulungs- und vielfältigen Praxis-Einsätzen auch finanziell mit anderen Berufseinstiegen in anderen Branchen mithalten können. Mit der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 12 Euro/Std. ist bei einer 40 Std.-Woche eine Marke von 2080 Euro das Vergleichsgehalt. Wohlgemerkt beträgt die Wochenstundenzahl in Zeitungsredaktionen 36 ½, liegt der Lohn im Volontariat also korrekt gerechnet noch über 12 Euro. Dennoch schauen sich auch viele Volontär*innen neben einem attraktiven Berufseinstieg nach dem bestmöglichen Einkommen um. Darauf muss die tarifliche Bezahlung im Volontariat reagieren, eine Erhöhung auf 2259 Euro ist deshalb mehr als angebracht.

    Auswertung der Tarifumfrage dju in ver.di Auswertung der Tarifumfrage

    Vielen Dank für die Beteiligung an der dju-Tarifumfrage!

    Die Tarifkommission der dju in ver.di hatte zu ihrer Beratung über die Tarifforderungen auch die Ergebnisse einer Tarifumfrage vorliegen. Aus einer nicht repräsentativen, aber dennoch eindeutige Tendenzen wiederspiegelnden Befragung hat die Tarifkommission die Gewichtung ihrer Forderungen abgeleitet. Tariferhöhungen zwischen 4 und 5 Prozent sahen 2/3 der Befragten als wichtig an, Festbetragserhöhung und Honorarsteigerungen um die Höhe der Gehälter sogar über 70 Prozent. Forderungen durch Aktionen unterstützen will die Hälfte der Befragten. Damit zeigen die Zeitungsjournalist*innen: Sie werden etwas tun, um ihre Forderungen auch durchzusetzen.