Das neue Printheft von M - Menschen Machen Medien ist online

01.04.2024
M Titel 1/2024

Wenn Arbeit krank macht: Produzieren bis zum Umfallen

Tagtäglich berichten Journalist*innen über Naturkatastrophen, Kriege und menschliches Leid. Das geschieht unter hohem Zeitdruck. Gleichzeitig müssen sie sich Sorgen machen über Entlassungen in den Redaktionen oder ihre eigene Sicherheit. Viele Journalist*innen
nehmen die Transformation des Mediensystems als zusätzlichen Stress wahr (Seite 6), schreibt M-Redakteurin Julia Hoffmann in ihrem Editorial zum neuen Printheft von M - Menschen Machen Medien.

Diese Arbeitsbedingungen fordern einen psychischen und physischen Tribut. Was Adrenalin und andere Stresshormone auf Dauer mit der Psyche und dem Gehirn anrichten können, ist inzwischen gut erforscht. Doch lange Zeit wurden die harten journalistischen Arbeitsbedingungen heruntergespielt oder sogar glorifiziert.

In jüngster Zeit ist die Mentale Gesundheit im Beruf aber immer häufiger ein Thema. Es wird offener darüber geredet, wenn Kolleg*innen unter Stress leiden (Seite 10). Das ist gut. Denn Arbeitsausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen nehmen seit Jahren rapide – aber mit einem guten betrieblichen Gesundheitsmanagement vermeidbar. Allerdings haben Freie oft keinen Zugang zu internen Hilfesystemen. Sie bleiben mit ihren Problemen allein.

Dagegen boomt die Ratgeberliteratur: „Dein Weg zur Selbstliebe“, „Gesund ist das neue Sexy“ oder „Erfolgsformel Achtsamkeit“. Das ist frech: Denn es hilft nicht, die Probleme ins Private zu verschieben. Schlechte Arbeitsbedingungen lassen sich nun mal nicht wegmeditieren. Umso wichtiger ist die Suche nach gemeinschaftlichen Lösungen und vor allem auch die Arbeitgeber (Seite 16) in die Pflicht zu nehmen.

M - Menschen Machen Medien 1/2024