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    Misstrauen mit wenig Konsequenz

    Misstrauen mit wenig Konsequenz

    Medienpolitische Tagung Susanne Stracke-Neumann Medienpolitische Tagung 2014

    Medienpolitische Tagung über Datenschutz und Journalismus in vernetzten Zeiten

    „Vor Edward Snowden hätten wir vieles von dem, was wir heute wissen, als Verschwörungstheorie bezeichnet“, behauptete Johannes Boie, bei der Süddeutschen Zeitung mit der Entwicklung von digitalen Angeboten und digitalen Themen befasst. Und jetzt, wo die ungeheure Datenabschöpfung durch die NSA und andere Geheimdienste bekannt sind, wo das Misstrauen gegen Anbieter wie Facebook und Google genauso groß ist, wie die Ablehnung des Verzichts auf solche Internetdienste, wird der Datenschutz trotz regelmäßiger Demonstrationen wie „Freiheit statt Angst“ nicht zur Massenbewegung. Warum?

    Das fragten sich bei der vierten Medienpolitischen Tagung von ver.di in Lage-Hörste über den „Journalismus in vernetzten Zeiten“ mehr als 50 Zuhörerinnen und Zuhörer. Weil das Thema so schlecht darzustellen ist, war Boies Überzeugung, weil es besser illustriert und mehr personalisiert werden müsse, um den Leser auch emotional anzusprechen. Und weil die Experten in Sachen Internet und Datenmissbrauch häufig Eigenbrötler seien, die Datenschutz eher als private denn als gesellschaftliche Aufgabe verstünden.

    Einen weiteren Aspekt sprach Philipp K. Masur, Medienpsychologe an der Uni Hohenheim an: Zwar sei das Misstrauen bei den Usern groß, die Konsequenzen daraus aber gering und die Kenntnis, was bei geschickter Datenverknüpfung an Userprofil erstellbar sei, erstaunlich lückenhaft.

    Was so alles möglich ist, stellte der Journalist Uwe Sievers dar, denn er berichtete, wie Fahnder durch die geschickte Verknüpfung von Daten und den Einsatz umfassender Suchportale Internetverbrechern auf die Spur kommen können, wie aus einer anonymen Telefonnummer ein Steckbrief mit Fotos und Beziehungsgeflecht werden kann. Ein Lehrstück auch für die journalistische Internet-Recherche.

    Nach dem Auftakt zur Entwicklung des Datenschutzes mit Thilo Weichert war der private Datenschutz Thema im Workshop von Medienpädagoge Helgo Ollmann. Dem gekonnten Whistleblowing und der fundierten Recherche widmeten sich die Foren mit Inge Hannemann vom Job-Center in Hamburg und Daniel Drepper von „Correctiv“, einer dieses Jahr gegründeten gemeinnützigen Gesellschaft für investigative Recherche. Lebhafte Diskussionen und große Zufriedenheit mit den interessanten Themen und den sehr guten Referenten prägten die drei spannenden Tage im Teutoburger Wald.

    Einen ausführlichen Bericht gibt es in der nächsten „M – Menschen Machen Medien“, der auf der dju-Seite in Kürze als „Vorabdruck“ erscheinen wird.

    Susanne Stracke-Neumann

    Dazu ein weiterer Bericht von Corina Lass auf der NRW-Seite