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    dju in ver.di zum Tarifabschluss für Zeitungsjournalist*innen: …

    dju in ver.di zum Tarifabschluss für Zeitungsjournalist*innen: Erkenne die Unterschiede!

    Unterzeichnung für Rechtssicherheit für unsere Kolleg*innen - Generationenungerechtigkeit bleibt bestehen 

    21.02.2022

    Mit dem heutigen Tag endet die Einspruchsmöglichkeit zum Tarifergebnis für Zeitungsjournalist*innen vom 10. Februar 2022. Die dju in ver.di wird den Tarifabschluss mitzeichnen, damit Rechtssicherheit für alle gewerkschaftlich organisierten Kolleg*innen besteht und keine zusätzliche Spaltung der Belegschaften entsteht. Doch angesichts der weiterhin anhaltenden Kritik am Ergebnis fordert die dju auf, sich genauer mit dem Geschehen auseinanderzusetzen und sich nicht zufriedenzugeben mit unbefriedigenden Entwicklungen.

    Generationenungerechtigkeit bleibt bestehen

    Einer der krassesten Makel des Tarifergebnisses ist die Missachtung der Bedürfnisse von jungen Journalist*innen. Anders als in anderen Bereichen der Medienbranche, in denen ver.di (vielfach zusammen mit dem DJV) durch Festbeträge, wenig Nullmonate und stattliche Einmalzahlungen Abschlüsse durchsetzen konnte, die gerade die Probleme gestiegener Lebenshaltungskosten für Berufseinsteiger*innen berücksichtigen, hat der DJV für Zeitungen und nach dem Verlassen der gemeinsamen Verhandlungslinie einen Abschluss mit geringen Prozenterhöhungen, Nullmonaten und vergleichsweise niedriger Corona-Prämie angestrebt. Über die Gesamtlaufzeit gleichen die Tariferhöhungen deshalb die aktuelle und auch die zu erwartende Inflation keineswegs aus. Das verfügbare Einkommen für Zeitungsjournalist*innen sinkt damit. Für freie Journalist*innen ist nach der Auftragsflaute auch zu wenig drin in diesem Abschluss.

    Gewerkschaftliche Verhandlungen sind konsequente Interessenvertretung

    Tarifverträge schaffen Mindestbedingungen und stellen Branchenregeln auf, entlasten einzelne Journalist*innen damit von der Verantwortung, das eigene Einkommen zu verhandeln. Die gefundenen Tarife stellen dann die angemessene Wertschätzung für journalistische Arbeit dar. Die dju in ver.di war bereit, sich hartnäckig für eine deutlicher akzentuierte Einkommensentwicklung für Junge und für höhere Mindesterhöhungen für dienstältere Kolleg*innen einzusetzen. Notfalls auch mit mehr Nachdruck als nur dem reinen Verhandeln. Denn wie das Bundesarbeitsgericht 1984 zugespitzt formuliert hat, seien „Tarifverhandlungen ohne das Recht zum Streik nicht mehr als kollektives Betteln“ (BAG 1 AZR 342/83). Die Vertreter*innen des BDZV sind in keiner anderen wirtschaftlichen Lage, als die Verbände und Unternehmen, mit denen zuvor bessere Tarifergebnisse erzielt werden konnten. Die Zeitungsverleger*innen waren schlicht nicht bereit, für Berufseinsteiger*innen, Freie und alle Redakteurinnen und Redakteure echte Tariferhöhungen und nötige überproportionale Tarifsteigerungen zu vereinbaren. Entgegen dem Trend der sonstigen Tarifentwicklung in diesem Winter. Doch wenn es dazu keine geschlossene gewerkschaftliche Widerstandshaltung gibt, ist es schwierig einem unwilligen Verhandlungspartner mehr abzuringen. Wenn eine der Gewerkschaften ein Ergebnis eingeht, dann schwächt das jegliche konsequente Verhandlungschancen. 

    Die dju in ver.di gibt echten Verbesserungen eine Stimme und redet nichts schön

    Das gewerkschaftliche Verständnis der dju in ver.di ist ebenso wie es für den Journalismus generell gilt: hinschauen, hinterfragen, analysieren und sagen was ist, nötigenfalls schonungslos. Das Tarifergebnis ist enttäuschend und es war mehr drin. Doch nachdem der DJV die gemeinsame Verhandlungslinie verlassen und das Ergebnis hingenommen hat, war einfach nicht mehr zu erreichen. Wir sagen: Die Zeitungsjournalist*innen brauchen Unterstützung durch die konsequente Vertretung ihrer Interessen und dafür braucht es eine (mitglieder-)starke Gewerkschaft. Mit einer Gewerkschaftszugehörigkeit stellen Journalist*innen auch eine Weiche für die Tarifentwicklung ihrer Branche und damit die Zukunft ihres Berufes. Auch wenn wir den Tarifabschluss mitzeichnen: statt den Reallohnverlust nur tatenlos zu beklagen, wollen wir weiter darüber sprechen und Gespräche dazu anregen, wie es für Zeitungsjournalist*innen auch wirtschaftlich vorangehen kann.

    Los geht es mit unserem nächsten Twitter-Talk am 24. Februar um 19:00 Uhr. Kommt dazu, hört rein und diskutiert mit!

    Das Tarifergebnis in Kürze

    Der ab dem 22. Februar geltende Tarifabschluss sieht folgendes vor:

    • Eine Laufzeit vom 1. Januar 2022 bis 30. April 2024, 28 Monate.
    • Erste Tariferhöhung ab 1. September 2022 um 1,5 Prozent und Erhöhung um 100 Euro monatlich für Volontärinnen, danach eine
    • Zweite Tariferhöhung um 2,0 Prozent ab 1. Juni 2023 bis Ende der Laufzeit.
    • Abweichend werden die ersten beiden Gehaltsstufen der Tarifgruppe 3 ab dem 1. März 2022 um 1,7 (3.-7. Berufsjahr) und 2,2 Prozent (8.-12. Berufsjahr) erhöht. Damit sollen die Abstände zu den Gehältern in der Tarifgruppe 2b hergestellt werden, die bisher teilweise unterschritten wurden.
    • Für alle Redakteur*innen und Volontär*innen, die bereits im Januar 2022 beschäftigt waren, wird im März eine Corona-Prämie von 500 Euro ausgezahlt. Für arbeitnehmerähnliche Freie wird eine Einmalzahlung von einem Viertel des bei einem Verlag erzielten Durchschnittshonorars aus der Zeit von September 2021 bis Februar 2022 gezahlt.
    • Der Tarifvertrag regelt die zweimalige Möglichkeit pro Jahr für alle Redakteur*innen, auf die Hälfte eines Monatsgehalts zu verzichten und dafür bis zu 11 Tage (unbezahlte) Freizeit nehmen zu können.

    Der gesamte Text des Tarifvertrags kann hier heruntergeladen werden

    https://dju.verdi.de/++file++6213a0562c3a63b372b3a696/download/Tarifprotokoll_BDZV-DJV-dju_220218.pdf