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    Mediensalon: Aktivisten an Bord

    08.03.2021, 19:00 – 20:30Online-Diskussion

    Mediensalon: Aktivisten an Bord

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    Mach Dich nie mit einer Sache gemein – gilt der Satz zur Distanz des Journalismus noch? Unser Thema: Aktionen und Aktivismus in den Medien

    Aktivisten an Bord: Müssen Medien eine Haltung haben?

    Diskussion am 8. März um 19 Uhr online mit:

    • Barbara Junge, Chefredakteurin taz, die tageszeitung
    • Sara Schurmann, Redaktionsleiterin OZON, Funk
    • Stefan Müller, Director Media Relations Deutschland bei Vattenfall
    • Stefan Reker, Geschäftsführer Kommunikation Verband Privater Krankenkassen
    • Prof. Dr. Christian Hoffmann, Professor für Kommunikationsmanagement an der Universität Leipzig

    Moderation: Susanne Lang, Programmdirektorin Berliner Mediensalon

    Anmeldung

    Als der Stern in den Siebzigerjahren mit seinem Titel »Wir haben abgetrieben« einen Scoop landete, waren Aktionen wie diese die absolute Ausnahme. Das Magazin ließ damals 374 Frauen zu Wort kommen, die sich dazu bekannten, die Schwangerschaft abgebrochen zu haben – zum damaligen Zeitpunkt eine illegale Handlung.

    Heute jagt ein Manifest nach Vorbild der Stern-Aktion das andere. Das Magazin der Süddeutschen Zeitung präsentiert 187 Schauspieler*innen, die sich dazu bekennen, unter anderem lesbisch, schwul, bi, trans*, queer, inter und non-binär zu sein.

    Der Stern kopiert sich regelmäßig selbst, unter anderem mit Titeln wie »Ich bin eine Quotenfrau«. In Sachen Klimaschutz kooperierte die Redaktion zuletzt mit der Bewegung »Fridays for Future«. »Bei der Klimakrise ist @sternde nicht länger neutral«, twitterte Chefredakteurin Anna-Beeke Gretemeier und gehört damit zu einer neuen Generation Journalist*innen, die ganz bewusst ein Kernethos des Journalismus über Bord werfen: Mach Dich nie mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten.

    Anja Reschke, Leiterin Innenpolitik des NDR, sieht explizit die Zeit gekommen, eine klare Haltung einzunehmen – und zwar für die gute Sache namens Verfassung, wie sie im Rahmen der Verleihung des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises 2018 bekräftigte.

    Die gezielte Aufgabe journalistischer Distanz begreift die Berliner Tageszeitung taz schon lange als Teil ihres Markenkerns. Dort gehört es zur Tradition, die redaktionelle Gestaltung einer Zeitungsausgabe regelmäßig Interessensgruppen zu überlassen. Im vergangenen Jahr waren dies ebenfalls Klimaaktivisten. In Schweden hatte eine Tageszeitung der Klimaschutz-Ikone Greta Thunberg für einen Tag die Chefredaktion überlassen.

    Bei der Welt pflegt man die Tradition sogenannter Gastausgaben seit 2011. Zunächst gestalteten vor allem Künstler und Designer die Zeitung, vor zwei Jahren gab sich ein einflussreicher Vertreter der Automobilindustrie als Gastchefredakteur die Ehre: VW-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess. Für Ulf Poschardt, den hauptamtlichen Chefredakteur der Welt-Gruppe, wäre auch eine Greta Thunberg denkbar. »Wir hätten damit kein Problem«, so Poschardt.

    Fallen Aktionen wie diese noch unter originelles Marketing? Oder ist die Grenze zur Öffentlichkeitsarbeit für Interessensgruppen überschritten? Sollten sich Medien wieder stärker auf den Grundsatz der Neutralität beziehen? Oder lebt zeitgemäßer Journalismus von einer starken Haltung? Wer sind die Gatekeeper in den Redaktionen? Wer entscheidet, wie berichtet wird? Und was bedeutet dies für die klassische Pressearbeit von Interessensgruppen und Unternehmen?

    Darüber wollen wir beim Mediensalon / PRtrifftJournalismus am 8. März diskutieren.

    Anmeldung

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    Der Berliner Mediensalon ist seit mehr als zehn Jahren das Debattenforum für Journalismus in der Hauptstadt. Begründet als Stammtisch von Journalistinnen und Journalisten im netzwerk recherche in Berlin wird er ehrenamtlich organisiert. Bis zu zehn Debatten im Jahr werden durchgeführt u.a. in der Berliner taz

    #Mediensalon ist eine Kooperation von Deutscher Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di, Deutschem Journalistenverband DJV Berlin – JVBB e.V. und #mekolab, unterstützt von Landau Media.

    #PRtrifftJournalismus ist eine Veranstaltungsreihe der meko factory – Werkstatt für Medienkompetenz gemeinnützige GmbH in Kooperation mit Bundesverband Deutscher Pressesprecher – Landesgruppe Berlin-Brandenburg, Deutscher Journalistenverband DJV Berlin - JVBB e.V. Mit freundlicher Unterstützung durch Landau Media.

     

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