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    dju NRW: Deutsche Welle muss Reaktion auf Äußerungen Cuencas überdenken und Zusammenarbeit fortführen

    02.07.2020

    Die dju NRW schließt sich dem Protest an, den hundert brasilianische und deutsche Intellektuelle unterzeichnet haben

    Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di NRW fordert die Deutsche Welle auf, ihre Reaktion auf die Äußerungen des brasilianischen Schriftstellers João Paulo Cuenca zu überdenken und die Zusammenarbeit fortzuführen. Der deutsche Auslandsrundfunk hat diese nach einer Bolsonaro-kritischen Äußerung auf dessen privaten Twitter-Konto eingestellt.

    Cuenca gilt als bedeutende literarische Stimme Lateinamerikas. Im portugiesischsprachigen Angebot der Deutschen Welle publizierte der Schriftsteller bislang eine zweiwöchentliche Kolumne. Diese wurde ihm nun aufgekündigt, nachdem Cuenca in den sozialen Medien private Äußerungen veröffentlicht hatte, die laut Deutscher Welle ihren Werten widerspreche. Cuenca hatte in einem Tweet geschrieben: „Die Brasilianer werden erst frei sein, wenn der letzte Bolsonaro an den Gedärmen des letzten Pfarrers der Universalkirche erhängt wird“. Mit dieser Äußerung kritisierte Cuenca eine Schenkung Bolsonaros in Höhe von 30 Millionen Brasilianischen Real an die evangelikale Universalkirche des Reiches Gottes. Laut Deutsche Welle handele es sich dabei um eine Art von Hassrede und Anstiftung zu Gewalt. Der Sender verkenne allerdings, dass es sich in Wahrheit um ein literarisches Zitat handele, das auf die europäische Aufklärung zurückgehe und Voltaire und Diderot zugeschrieben wird. Besonders in Lateinamerika sei das Zitat als Redewendung noch lebendig und sei in der Vergangenheit in verschiedenen Facetten auf diverse gesellschaftliche Gruppen angewendet worden, insbesondere aber von der politischen Rechten in Bezug auf Soziologen oder Marxisten, so die dju in ver.di NRW. „Die Verantwortlichen der Deutschen Welle haben diesen Zusammenhang entweder nicht durchschaut oder wollten ihn absichtlich nicht verstehen“, erklärte Hektor Haarkötter, Sprecher des Landesvorstands der dju NRW.

    Es dränge sich der Eindruck auf, dass die Deutsche Welle einer Kampagne der brasilianischen Rechtsextremisten auf dem Leim gegangen sei, wie das Onlinemagazin Telepolis mutmaßt. Auch Cuenca selbst konstatiert in einer Stellungnahme: „Die Vertreter des Regierungskabinetts des Hasses und ihre (Internet-)Robots identifizieren ihre Ziele schnell und gehen umgehend zum Angriff über“. Ein Indiz dafür sei, dass der Sohn des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro der Deutschen Welle umgehend zum Ausscheiden Cuencas gratuliert habe.

    Womöglich habe die Deutsche Welle Cuencas Tweet aber auch in den falschen Hals bekommen, weil sie ihn als zu kirchenkritisch empfunden hat. Immerhin sei der Intendant der Deutschen Welle, Peter Limbourg, Berater der Deutschen Bischofskonferenz. Der Vorsitzende des Rundfunkrats der Deutschen Welle sei Prälat Dr. Karl Jüsten, der von der katholischen Kirche in das Gremium entsandt wurde, so die dju. Auffällig sei auch, dass eher Bolsonaro-freundliche Beiträge auf der Website der Deutschen Welle erscheinen würden. So hätte dort die ehemalige Chefredakteurin der Deutschen Welle, Hildegard Stausberg, unlängst die Phase der brasilianischen Militärdiktatur als „Zeiten von mehr Sicherheit“ bezeichnen dürfen. „Brasilianische Gewerkschafter*innen und linke Politiker*innen dürften eine solche Äußerung wohl eher als Hasskommentar verstehen“, mahnte Haarkötter.

    Die dju NRW schließt sich dem Protest an, den hundert brasilianische und deutsche Intellektuelle unterzeichnet haben. „Die Meinungsfreiheit muss gerade auch für Journalist*innen und Schriftsteller*innen gelten, die sich in ihrem publizistischen Engagement gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus einsetzen“, erklärte Haarkötter. Die Deutsche Welle müsse wohl an ihre eigene Mission erinnert werden, Freiheit und Menschenrechte, Demokratie und Rechtsstaat zu fördern.

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