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    Kieler Nachrichten setzen Freie unter Druck

    Kieler Nachrichten setzen Freie unter Druck

    07.07.2021

    dju in ver.di und DJV kritisieren neues Honorarsystem mit Paketpreis - Freie sollten auf Klärung warten

    Der DJV-Schleswig-Holstein und die dju in ver.di kritisieren das neue Honorarsystem, das die Kieler Nachrichten für ihre freien MitarbeiterInnnen vorsehen. Die Zeitung plant, die Freien künftig nach einem „Baukasten-System“ zu entlohnen. So soll es – statt Zeilen und Fotos konkret abzurechnen – einen Paketpreis für Bilder und Text gemeinsam geben. Infokästen und Videoschnippsel werden obendrein erwartet. Im Vergleich zur heutigen Lage bedeutet das für die Freien generell eine Reduzierung ihrer Honorare. Betroffen sind auch diejenigen Freien, die ausschließlich Bilder liefern: Sie sollen ebenfalls mehrere Bilder zu Paketpreisen abtreten. In dem Preis sollen auch die Rechte für Zweitverwertung und Archivnutzung enthalten sein.

    „Bereits mehrfach mussten die Freien schmerzhafte Honorarabsenkungen hinnehmen, letztmalig 2017“, sagt Tina Fritsche, Landesgeschäftsgeschäftsführerin der dju in verdi. Damals hatte die Chefredaktion trotz Protesten das Kilometergeld für Fahrten im Auftrag der Redaktion gestrichen. „Dass Kolleginnen und Kollegen, die gerade im Lokalen und Regionalen das Gesicht der Zeitung sind, als Dank für ihre langjährige Tätigkeit in der Redaktion erneut weniger für ihre Leistungen gezahlt werden soll, hat deutlich eine andere Qualität“, sagt Kai Dordowsky, Vorsitzender des DJV-Schleswig-Holstein. Die vorgesehenen Honorare weichen nach Auffassung der Gewerkschaften erheblich von den Mindesthonoraren ab, auf die sich Verlegerverband und Gewerkschaften geeinigt hatten. Diese Vergütungsregeln legen Mindesthonorare fest, die auch durch Gerichtsurteile als angemessene Untergrenzen im Sinne des Urheberrechtsgesetzes angesehen werden können.

    Aus Sicht der Chefredaktion des Kieler Blattes, das inzwischen zu 50 Prozent plus einer Stimme zum Madsack-Konzern gehört, bedeute der neue Honorarrahmen keine Kürzung, sondern sei Teil eines neuen Systems, das Madsack-weit zum Einsatz kommt. Gespräche mit den Gewerkschaften lehnte die Chefredakteurin bislang ab. Ein Fragenkatalog der Freien, den die Gewerkschaften übermitteltet haben, wurde ebenfalls nicht beantwortet.

    „Zumindest bis zu Klärung der offenen Fragen raten die Gewerkschaften den Freien der Kieler Nachrichten, sich nicht auf diese neuen Honorare einzulassen,“ sind sich Dordowsky und Fritsche einig.


    ViSdP:
    Bettina Neitzel, Geschäftsführerin, DJV
    Johannes Dörband, Rechtssekretär, ver.di Kiel/Plön