Seit jeher basiert journalistische Berichterstattung auf Informationen und Daten. Datenbanken sind ein wichtiges Recherchewerkzeug für Journalistinnen und Journalisten. Mit der Digitalisierung und der einhergehenden massenhaften Datenerfassung entstehen dabei neue Möglichkeiten der Berichterstattung, aber auch Herausforderungen, etwa wenn es darum geht, an die richtigen Daten zu kommen und diese sinnvoll nutzbar zu machen. Welche Daten brauchen wir für unsere journalistische Arbeit? Wie können wir die Datenberge beherrschen? Und wie wirken sich die Entwicklungen auf die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten aus? Die Tagung bietet Antworten auf diese und andere Fragen – für etablierte Medienschaffende genauso wie für den interessierten journalistischen Nachwuchs. In Vorträgen und Workshops sollen gemeinsam Zusammenhänge und Lösungen erörtert werden.

    Programm

    Freitag, 22. Juni

    18.00 Uhr
    Abendessen

    19.00 bis 21.00 Uhr

    Begrüßung
    Michael Walter, Leiter der Bildungsstätte "Clara Sahlberg"
    Cornelia Haß, Bundesgeschäftsführerin dju in ver.di, Tagungsmoderation

    Einführungsvortrag
    Data Mining und die Mensch-Maschine-Schnittstelle: Ein Blick in die Zukunft des Journalismus mit Daten
    Der anhaltende technologische Fortschritt, die automatisierte Erfassung von Daten (zum Beispiel über Sensoren) und die zunehmende digitale Vernetzung machen es möglich, heute unvorstellbare Datenmengen zu sammeln. Diese gehen längst über Terabyte-Größen hinaus und sind so hochkomplex, dass sie nur noch mittels Software-Tools interpretiert und verwertet werden können. Zugleich werden auch ethische und – wie die Affäre um Facebook zeigt – rechtliche Fragen immer wichtiger. Was kommt da auf uns zu und was bedeutet das für den Journalismus?
    Prof. Dr. Michael Strube, Computerlinguist und Institutssprecher Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS)

    Samstag, 23. Juni

    9.00 bis 15.00 Uhr
    Vorträge und Diskussion im Plenum (inkl. Mittagspause)

    Vom Byte zum Bürger: Wie werden aus Daten Geschichten?
    In Datenbanken und Dokumentenbergen können explosive Stories und spannende Geschichten verborgen sein – sofern man sie findet. Eine wichtige journalistische Aufgabe besteht deshalb darin, aus einem Wust von Zahlen sowie durch Textanalysen eine Nachricht oder Geschichte zu generieren. Dazu braucht es sowohl Know-how im Umgang mit Daten als auch die entsprechende Manpower. Wie geht das in einer Lokal- oder Tagesredaktion? Ein Einblick.
    Marie-Louise Timcke, Leiterin Interaktiv-Team Berliner Morgenpost

    Von Daten umgeben: Wie viel Daten braucht das journalistische Handwerk?
    Daten nehmen einen immer selbstverständlicheren Platz in der journalistischen Arbeit ein. Mit ihnen richtig umzugehen, sie korrekt zu interpretieren und auf die passenden Fragestellungen zu kommen, die in einem Datenberg schlummern, ist jedoch eine große Herausforderung. Worauf muss beim Umgang mit Daten geachtet werden? Und welche Rolle spielt das in der Ausbildung von Journalistinnen und Journalisten?
    Dr. Bernhard Goodwin, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung, Ludwig-Maximilians-Universität München

    Leaking: Nur Strohfeuer oder Ausdruck einer nachhaltigen Veränderung im Journalismus?
    Ob WikiLeaks, Panama oder Paradise Papers: Durch scheinbar immer größer werdende Datenleaks und einer zunehmenden internationalen Zusammenarbeit von Journalistinnen und Journalisten sind in den letzten Jahren regelmäßig Geschichten entstanden, die weltweit Aufsehen erregen. Doch wie steht es um die Nachhaltigkeit dieser Praktiken? Gibt es über die spektakulären Einzelfälle hinaus eine Relevanz für die journalistische Arbeit?
    Dr. Stefan Baack, Assoziierter Forscher am Alexander von Humboldt Institute für Internet und Gesellschaft

    15.00 bis 18.30 Uhr
    Speed Labs

    Sicher kommunizieren: Informationen und Quellen schützen
    Journalistische Arbeit lebt von der sicheren Recherche und dem Schutz von Informationen sowie der Informantinnen und Informanten. Nicht umsonst gehören Journalistinnen und Journalisten deshalb zur Gruppe der Berufsgeheimnisträgerinnen und -träger. Doch wer im Internet unterwegs ist, ist nicht vor Überwachung gefeit. Welche einfachen, praxistauglichen Lösungen gibt es, wirklich sicher zu kommunizieren?
    Fabian A. Scherschel, Redakteur heise online

    Reise ins Darknet: Journalistische Recherchen im »dunklen Netz«
    Jenseits des frei zugänglichen Internets existieren verschiedene Darknets – »dunkle Netze«, die aufgrund von Waffengeschäften, Drogenhandel und ähnlichem zweifelhafte Bekanntheit erlangt haben. Dabei ist die Idee der Darknets, insbesondere für Journalistinnen und Journalisten, durchaus interessant: seine Identität komplett verbergen und anonym miteinander kommunizieren zu können. Wie funktionieren Darknets und wie lassen sie sich für die Recherche nutzen?
    Daniel Moßbrucker, Journalist für die Themen Überwachung, Datenschutz & Pressefreiheit

    Amtliche Statistiken: Die Daten sind da, man muss sie nur nutzen!
    Ob Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung, zum Bruttoinlandsprodukt oder zu den Baugenehmigungen: Die öffentliche Hand erfasst und veröffentlicht Daten zu nahezu jedem gesellschaftsrelevanten Thema. Welche öffentlichen deutschen und europäischen Datenbanken gibt es? Welche Möglichkeiten bieten sie? Und wie recherchiert man in ihnen?
    Klaus Pötzsch, Pressesprecher Statistisches Bundesamt

    Mit Daten umgehen: Eine kleine Methodik des Data Minings
    Auf Daten zugreifen zu können, ist die eine Seite der Medaille, aus ihnen auch etwas zu machen die andere. Das sogenannte Data Mining hat deshalb zum Ziel, in einer Datenbank oder einem Konvolut von Texten Auffälligkeiten, Muster und Zusammenhänge zu erkennen und die relevanten Daten zu extrahieren. Doch wie genau geht das? Welche Methoden stehen zur Verfügung? Und welche Handgriffe helfen weiter?
    Sakander Zirai, Entwickler und Datenjournalist

    Sonntag, 24. Juni

    9.00 bis 12.30 Uhr
    Vorträge und Diskussion im Plenum

    Transparente Daten: Öffnung der Verwaltung im Sinne des Gemeinwohls?
    »Open Data« und »Open Government« stehen für die Idee, eine Vielzahl von Daten und Informationen für die Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen und nutzbar zu machen. Die dahinterstehende Vision: möglichst viel Transparenz zu schaffen und damit das demokratische System zu stärken. Welche Daten von Behörden, Ämtern, Gerichten und anderen staatlichen Stellen sind verfügbar? Welche dienen dem Gemeinwohl und sollten daher freigegeben werden – und welche nicht? Und wie werden die Daten zugänglich gemacht?
    Dr. Michael Mangold, Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen

    Informationsfreiheit und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung: Wie steht es um diese Bürgerrechte im digitalen Zeitalter?
    In den Informationsfreiheitsgesetzen des Bundes und der Länder ist geregelt, dass sich Bürgerinnen und Bürger über staatliches Handeln informieren und Einblick in amtliche Informationen nehmen dürfen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung soll ihnen zudem die Hoheit über ihre personenbezogenen Daten geben. Auch die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten ist maßgeblich auf diese Rechte angewiesen. Doch wie steht es um sie? Und was muss getan werden?
    Ulf Buermeyer, Richter am Landgericht Berlin, Vorsitzender Gesellschaft für Freiheitsrechte

    Zusammenfassung, Denkanstöße und Schlussfolgerungen

    Anmeldung

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    Hinweis: Ein Rücktritt vom Seminar ist durch schriftliche Erklärung möglich. Es gelten folgende Stornierungsregeln: Absagen bis 31 Kalendertage vor Seminarbeginn 10 €, 30 bis 8 Tage 35 €, ab 7 Tage 75 €, ohne Absage 100 €.

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