Pressefreiheit

    Pressekodex

    Pressekodex

    Pressekodex Petra Dreßler/Fotolia Pressekodex

    Im Pressekodex des Deutschen Presserats, in dem auch die dju in ver.di Mitglied ist, hieß es bisher in Ziffer 12: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden." Und in der Richtlinie 12.1: "Berichterstattung über Straftaten" hieß es bisher: "In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.“

    Doch nach den Ereignissen an Silvester in Köln ist diese Richtlinie in die Diskussion gekommen. Auch der Presserat selbst hatte das Thema auf die Tagesordung der Sitzung am 9. März 2016 gesetzt und zunächst unverändert gelassen, am 22. März 2017 ist es  dann zu einer Überarbeitung gekommen.

    Die Richtlinie 12.1 lautet jetzt:
    "In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse.
    Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte."

    Der Presserat will in Kürze dazu Leitsätze veröffentlichen, die die praktische Handhabung der Richtlinie in den Redaktionen erleichtern.

    Hier ein kleiner Überblick über die Diskussion zur Richtlinie 12.1:

    Geteiltes Echo zur neuen Kodexregel. Interview mit Presseratssprecher Manfred Protze in M Online.
    27. März 2017

    Presserat präzisiert Diskriminierungsschutz. "M - Menschen Machen Medien Online" berichtet über die Neuformulierung der Richtlinie 12.1.
    22. März 2017

    Pressekodex: Im öffentlichen Interesse erlaubt.  "Süddeutsche Zeitung" berichtet über die Neuformulierung der Richtlinie 12.1.
    22. März 2017

    Herkunftsnennung bei Straftaten - Er ist „ein Syrer“. Die taz berichtet: Die „Sächsische Zeitung“ nennt seit Juli immer die Nationalität von StraftäterInnen. Damit verstößt sie gegen den Pressekodex – ganz bewusst. Von Peter Weissenburger.
    20. August 2016

    Tagesspiegel: Pegida und die Presse "Sächsische Zeitung" will Nationalität von Verdächtigen nennen . 5. Juli 2016

     Sächsische Zeitung: Fakten gegen Gerüchte Warum die Sächsische Zeitung künftig die Nationalität von Straftätern immer nennen wird. Egal, ob es sich um Deutsche oder um Ausländer handelt. 1. Juli 2016

    Nichts als die Wahrheit: Der Tagesspiegel berichtet über die "Sächsische Zeitung" und die Auseinandersetzung mit den Pegida-Demonstranten in Dresden. Von Martin Niewendick und Kurt Sagatz
    9. Mai 2016

    kressNEWS: Neue Leitlinien für die Nennung der Herkunft von Straftätern bei der "Rheinischen Post": "Berichten, nicht verschweigen", 22. April 2016

    epd: Deutscher Presserat ändert Diskriminierungsrichtlinie nicht, 11. März 2016

    NDR: Minderheitenschutz - Pressekodex unverändert, 10. März 2016

    dju in ver.di: Presserat bekennt sich zum Diskriminierungsschutz - dju begrüßt diese Entscheidung, 9. März 2016

    Presserat: Keine Änderung im Kodex, 9. März 2016

    evangelisch.de: Die Entwicklung der Diskriminierungsrichtlinie 12.1, 9. März 2016

    Deutschlandfunk: Pressekodex ändern oder nicht ändern?, 8. März 2016

    Ruhr Nachrichten: Wann die Nationalität nennen? - Presserat tagt, 11. Februar 2016

    Hessische/Niedersächsische Allgemeine: Wann die Nationalität nennen? Presserat tagt zu Richtlinie, 28. Januar 2016

    Neue Osnabrücker Zeitung: Täter: „Südländer“! – Presserat diskutiert Diskriminierungsrichtlinie, 26. Januar 2016

    Süddeutsche Zeitung: Wann Schweigen geboten ist, 19. Januar 2016

    Süddeutsche Zeitung: Ein Münchner? Ein Türke?, 15. Januar 2016

    Süddeutsche Zeitung: Wann die Herkunft von Straftätern genannt werden sollte - und wann nicht, 15. Januar 2016