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    dju-Mitgliederbrief Mai 2014

    dju-Mitgliederbrief Mai 2014

    dju-Logo dju/ver.di dju und Fachgruppe Medien in verdi

    Liebe Kollegin, lieber Kollege,

    am 25. Mai wird ein neues EU-Parlament gewählt. Damit erfolgt eine politische Weichenstellung, die unmittelbare Auswirkungen auf unser tägliches Leben hat, auch wenn Brüssel einigen von uns sehr weit entfernt scheint. Über unsere Mitgliedschaft in der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF) und der UNI MEI arbeiten wir eng mit den Kolleginnen und Kollegen in den anderen EU-Staaten zusammen und erleben hautnah, dass Pressefreiheit in einigen Ländern immer weiter eingeschränkt wird, das Angebot öffentlich-rechtlicher Informationen zusammenbricht, Pressevielfalt durch Meinungs- und wirtschaftliche Machtmonopole aufgezehrt wird.

    Diese besorgniserregende Entwicklung betrifft nicht „nur“ die Arbeit der Medien in Ungarn oder Griechenland, sondern auch Italien und Spanien sowie in zunehmendem Maße Länder wie Großbritannien, Rumänien oder Bulgarien. Deswegen haben wir uns als dju in ver.di entschieden, die Europäische Bürgerinitiative für Medienpluralismus und Pressefreiheit zu unterstützen. Hier müssen, um die Europäische Kommission zu zwingen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, in einem halben Jahr eine Million Stimmen in acht Ländern zusammenkommen. Bis Mitte August brauchen wir in Deutschland 74.000 Stimmen für Medienpluralismus und Pressefreiheit. Welcher Druck damit aufgebaut werden kann, ist sehr schön an der ersten europäischen Initiative „Wasser ist ein Menschenrecht“ (siehe auch: www.verdi.de/themen/internationales/wasser-ist-menschenrecht) zu beobachten, die ver.di maßgeblich mitgetragen hat. An deren Erfolg wollen wir jetzt anknüpfen und bitten Dich um Deine Stimme und Werbung für die Initiative. Du kannst sie unterstützen und Dich weiter informieren unter: http://www.mediainitiative.eu/de/

    Vernetzung, Information und gegenseitige Unterstützung sind auch maßgeblich für die Arbeit freier Journalistinnen und Journalisten, das zeigt sich ganz deutlich angesichts von Honorardumping und Rechteklau – Beides ist an der Tagesordnung und vielfach existenzbedrohend.

    Gegenwehr bieten wir nicht nur mit eigenen Kontakt-, Beratungs- und Vernetzungsangeboten sondern auch mit sinnvollen Kooperationen. So wie neuerdings mit dem 'Portfolio-Netzwerk' torial (get.torial.com). Dort ist es möglich, mit kleinem Aufwand eine digitale Präsenz aufzubauen. Die Funktionen von torial sind leicht zu bedienen und beschränken sich auf Wesentliches. Wunder sind natürlich auch von torial nicht zu erwarten, aber es passt zu unseren Ideen von Vernetzung: torial hat einen gemeinnützigen Ansatz und die Kompetenzen der Nutzerinnen und Nutzer werden – so finden wir jedenfalls – in den richtigen Kontext gestellt. torial soll in Kürze stiftungsfinanziert sein, transparent und kostenlos bleiben.

    Marcus Jordan, einer der Menschen, die sich für den Aufbau dieses Netzwerks und digitalen Marktplatzes engagiert, wird auf unserem nächsten dju-Seminar für Freie referieren. Es findet vom 27.-29. Juni in Lage-Hörste unter dem Titel "Pressevielfalt sichern – Ökonomische Grundlagen freier journalistischer Arbeit" statt. Im Seminar betrachten wir die Medienfreiheit und ihre Träger, fragen nach Standards, die helfen, auch jenseits klassischer Medien die Rolle des Journalismus zu erfüllen – und natürlich danach, was das Ganze mit Beschäftigungsformen und Ökonomie zu tun hat. Die Teilnahme ist für ver.di-Mitglieder kostenlos, Reisekosten werden nicht erstattet. Mehr Informationen und ein Anmeldeformular findest Du unter http://tinyurl.com/l8uj8by.

    Beteiligungsmöglichkeiten bietet die dju in ver.di derzeit auch den Mitgliedern, die für tarifgebundene Tageszeitungsverlage arbeiten. Seit gut drei Wochen gibt es für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure, Freien und PauschalistInnen bei Tageszeitungen ein Ergebnis der Tarifverhandlungen. Dass es überhaupt ein Ergebnis gibt, ist wesentlich der monatelangen Streikbereitschaft Vieler zu verdanken. Sie haben in mehreren großen Streikwellen deutlich gemacht, dass sie Verschlechterungen ihrer Arbeits- und Einkommensbedingungen nicht akzeptieren.

    Zurzeit fragen wir - wie angekündigt - über die Landesbezirke unsere Mitglieder, wie sie das Ergebnis bewerten. Ihr Urteil wird am 10. Juni Grundlage für die Entscheidung der dju-Tarifkommission sein, die endgültig entscheidet, ob das Verhandlungsergebnis angenommen wird. Wir erläutern und bewerten das Verhandlungsergebnis, dessen Annahmefrist gegenüber den Zeitungsverlegern bis zum 30. Juni 2014 läuft, ausführlich in der dju-Tarifinformation vom 29. April unter http://tinyurl.com/l63mvey - hier daher nur noch mal in Stichworten. Ausverhandelt wurde:

    Die Gehälter steigen rückwirkend zum 1. Mai um 2,5 Prozent und zum 1. April 2015 ein weiteres Mal um 1,5 Prozent. Die Honorare für Freie steigen zum 1. Juni sowie zum 1. Mai 2015 jeweils um 1,8 Prozent. Erstmals ist es auch gelungen, die Pauschalen tarifvertraglich zu erhöhen  und ab Oktober 2014 auch die Onliner in die Tarifbindung einzubeziehen. Damit haben wir in dieser Auseinandersetzung zwei wesentliche und strategisch wichtige Ziele erreicht. Abstriche mussten wir für dieses Ergebnis, das bis zum 31. Dezember 2015 gilt, beim Manteltarifvertrag machen – konkret bei der Urlaubsdauer, der Jahresleistung und dem Urlaubsgeld. Insgesamt ist es uns so gelungen, in schwierigen Zeiten und trotz massiver Gegenforderungen kein Minusgeschäft zu machen und zudem den Manteltarifvertrag bis Ende 2018 zu sichern.

    Weiter geht es tarifpolitisch für die rund 9.000 Redakteurinnen und Redakteure bei Zeitschriften. Für sie verhandeln wir über die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen, allerdings ist der Tarifvertrag ungekündigt und gilt damit bis auf weiteres und auch unverändert. Wir haben dabei natürlich den steigenden Druck in den Redaktionen im Blick, von den Verlegern ist zu erwarten, dass sie wiederum allein die langfristige Senkung der Personalkosten – sprich: Einschnitte – durchsetzen wollen.

    Umso wichtiger ist es, sich an dieser und allen bevorstehenden Auseinandersetzungen zu beteiligen, sich für eigene Interessen aktiv und gemeinsam zu engagieren. Deswegen sagen wir: Rein in die dju – und mitmachen!

    www.dju.verdi.de/rein

    Wie viel Boulevard verträgt der Journalismus? Das ist die Frage, der wir in diesem Jahr auf unserem Journalistentag am 22. November in Berlin nachgehen wollen: Wir wollen zum Beispiel wissen, was eigentlich in den Zeitungen stehen sollte, damit sie gekauft werden, welche Rolle online-Medien bei dem spielen, was an Nachrichten noch Relevanz hat und künftig haben wird: Muss es immer Sex and Crime sein oder darf vielleicht auch mal ein Bericht über eine Gemeinderatssitzung das Interesse der Leserinnen und Leser wecken? Du kannst Dir den Termin schon mal notieren und Dich ab August, wenn das Programm steht, weiter informieren und anmelden unter dju.verdi.de, wo wir laufend über alle Themen informieren, an denen wir gerade arbeiten.

    Eins dieser Themen ist auch der Einfluss der Politik auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Am 25. März 2014 hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts dazu seine Entscheidung im Normenkontrollverfahren bekanntgegeben. „Karlsruhe“ verlangt, dass die Bundesländer binnen Jahresfrist einen neuen Staatsvertrag abschließen müssen und – sehr ungewöhnlich – andernfalls eine Vollstreckungsanordnung von Amts wegen androht.

    ver.di lädt am 4. Juni im ZDF-Sendezentrum in Mainz im Studio 3 des Senders dazu ein, das Urteil zu bewerten und mit maßgeblichen medienpolitischen Akteuren über die Konsequenzen zu diskutieren. Die Veranstaltung ist öffentlich. Aus organisatorischen Gründen bitten wir um eine Anmeldung unter dju-info@verdi.de

    Wir hoffen, Dich mit diesem Schreiben umfassend informiert zu haben. Sollte Dir dabei etwas fehlen – wir freuen uns immer über Anregungen und Hinweise dazu, wie wir noch besser werden können. Du erreichst uns am besten unter der Adresse dju-info@verdi.de.

    Viele Grüße,

    Cornelia Haß

    und das Team der Bundesgeschäftsführung der dju in ver.di