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    Zeitungsbelegschaften zeigen Flagge

    Zeitungsbelegschaften zeigen Flagge

    Werneke in Hannover Marta Krajinović FranK Werneke beim Madsack Aktionstag

    Madsack-Aktionstag: Kundgebung in Hannover - Ostsee-Zeitung zeigt Flagge für sichere Arbeitsplätze im Tarif - Protest auch bei der Leipziger Volkszeitung und der Oberhessischen Presse in Marburg

    Die systematische Verschlechterung von Arbeitsbedingungen, die in Madsack-Betrieben um sich greift, sei kein Konzept für die Zukunft, kritisierte der stellvertretende ver.di-Vorsitzende Frank Werneke, der bei der zentralen Kundgebung in Hannover sprach. Die Streikenden forderten den Abschluss von Tarifverträgen und die Sicherung ihrer Beschäftigung. Die Madsack-Geschäftsleitung verweigert den Beschäftigten des Hannoveraner Callcenters KSC, die seit mehr als einem Monat im Dauerstreik sind sowie der Druckerei in Potsdam und der Redaktion in Marburg entsprechende Tarifverhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di.

    Nach dem in Potsdam bereits erprobten Konzept sollen die Madsack-Verlage und -Druckereien in tariflose Tochterfirmen mit regionaler Ausrichtung aufgeteilt werden. Gleichzeitig wird der Arbeitsplatzabbau fortgeführt, der durch die Konzentration zentraler Unternehmensdienste, wie Personalabrechnung und Datenverarbeitung, bereits begonnen hat.

    Der Madsack-Konzern erzielte 2012 bei einem Umsatz von 671 Millionen Euro ein Betriebsergebnis von 30 Millionen Euro. Neben den Tageszeitungen mit einer täglichen Auflage von mehr als 900.000 Exemplaren gibt er rund 40 Anzeigenblätter mit einer Gesamtauflage von 5 Millionen Exemplaren pro Woche heraus. Darüber hinaus ist der Konzern im Postgeschäft und im Privatfernsehen tätig.

    Das Programm "Madsack 2018", bei dem es künftig nur noch eine Zentralredaktion für alle 18 Zeitungen des Konzerns geben soll, bedeute massiven Arbeitsplatzabbau, der verbunden sei mit einem Angriff auf die Arbeitsbedingungen derjenigen Beschäftigten im Konzern, die aktuell noch den Schutz von Tarifverträgen genießen.

    OZ zeigt Flagge Herbert Steinfort OZ zeigt Flagge

    Angesichts des drohenden Verlustes von Arbeitsplätzen bei Mecklenburg-Vorpommerns größter Tageszeitung, der Ostsee-Zeitung, die zur Mediengruppe Madsack gehört, fordern die Mitarbeiter die Verantwortung der Gesellschafter ein. Vor dem Pressehaus in der Rostocker Innenstadt versammelten sich „5 vor 12“ Journalisten sowie Beschäftigte aus Verlag und Technik. „Faire Arbeitsteilung zwischen allen Madsack-Standorten“ lautet daher eine Forderung. Mit einem nach Recherchen des Betriebsrats zuletzt ausgewiesenem Gewinn von 8,3 Millionen Euro ist die Ostsee-Zeitung ein überdurchschnittlich erfolgreicher Betrieb innerhalb der Mediengruppe, die insgesamt 30 Millionen Euro erwirtschaftete. Der Standort Rostock dürfe daher nicht schrittweise abgewickelt werden. Diese Forderung richteten die Demonstrierenden ausdrücklich an den größten Madsack-Gesellschafter, die SPD-Medienholding ddvg: „Wir erwarten von der Schweriner Regierungspartei SPD, sich über ihre Beteiligungsgesellschaft aktiv für die langfristige Sicherung von Arbeitsplätze und tariflichen Arbeitsbedingungen in unserem Land einzusetzen.“

    Bei der Oberhessischen Presse in Marburg gab es wieder eine Mittagsaktion. Auch vor dem Gebäude der Leipziger Volkszeitung sammelten sich Beschäftigte zum Protest.

    Mittagsaktion vor der Hannoverschen Presse ver.di Mittagsaktion vor der Oberhessischen Presse

    Aktuell laufen Tarifverhandlungen für Redakteure an Tageszeitungen, bei denen die Verleger massive Einschnitte, unter anderem bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld, fordern und noch schlechtere Bedingungen für Berufseinsteiger durchsetzen wollen. Die Gewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband fordern hingegen 5,5 bzw. sechs Prozent mehr Geld sowie die Einbeziehung von Online-Redakteuren in den Geltungsbereich und eine Modernisierung der Ausbildungsbedingungen, um vor allem dem Wandel zu digitalen Medien Rechnung zu tragen.