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    dju-Tarifinfo: Tarifergebnis an Tageszeitungsredaktionen

    dju-Tarifinfo: Tarifergebnis an Tageszeitungsredaktionen

    Tarifergebnis für Tageszeitungsredaktionen: Gehälter und Honorare steigen um 1,5 % ab 1. Juni 2016 und 1,6 % ab 1. August 2017 - Dieselbe Erhöhung ohne Abstriche für Freie und Pauschalisten und der Norden sind mit dabei.

    Das Tarifergebnis vom 29. Juni für die über 14.000 Redakteurinnen und Redakteure sowie Freie/Pauschalisten an Tageszeitungen musste erkämpft werden und war nur durch Streiks zu erreichen. Damit ist es auch ein realistisches Abbild der Kräfteverhältnisse. Doch unter den Streikenden wird Kritik laut und wichtige Fragen stehen im Raum: Wie wollen wir mit Erwartungen an Tarifpolitik und den erreichten Ergebnissen umgehen? Wie wollen wir unsere Tarifpolitik künftig gestalten?
    Über diese Fragen lässt sich trefflich diskutieren und auch streiten – genauso wie über das Tarifergebnis selbst. Diese Auseinandersetzung ist Teil der gewerkschaftlichen Willensbildung, die vom Mitmachen lebt. Wir laden Dich daher ein, Dich im Forum unserer Online-Ausgabe von Menschen Machen Medien (M) daran zu beteiligen:

    https://mmm.verdi.de/tarife-und-honorare/tarifergebnis-lasst-uns-diskutieren-32571

    Was konnten wir erreichen?
    Vorrangiges Ziel der Tarifverhandler von ver.di war es, die Laufzeit deutlich kürzer zu halten als die 36 Monate, die die Verleger-Vertreter wollten. Wir haben auf eine Laufzeit von 18 Monaten gedrängt und im Ergebnis 24 Monate erreicht, bis Ende 2017. Der Manteltarifvertrag war nicht Gegenstand der Verhandlungen und läuft bis Ende 2018. Zweites Ziel waren die Tariferhöhungen. Dabei bleiben wir hinter den allgemeinen Tariferhöhungen zurück, konnten aber erstmals seit langem ein Ergebnis erzielen, das gleichwertig mit der Druckindustrie ist: Das Ergebnis von 1,5 und 1,6 Prozent in zwei Stufen über 24 Monate entspricht im Volumen 1,6 Prozent und damit dem Tarifergebnis von 2 und 1,8 Prozent über 29 Monate für die Druckindustrie. (Gehaltstabellen s. Seite 3 und 4). Die Verleger hingegen wollten nur 0,8 oder zuletzt 1,1 Prozent pro Jahr geben, den Freien am liebsten noch weniger und waren davon auch trotz der Streiks in den acht betroffenen Bundesländern nur schwer abzubringen.

     

    Diagramm, welches die Tarifsteigerungen in der Gesamtwirtschaft, in den Tageszeitungsredaktionen und in der Druckindustrie in Relation zur Inflation dju ver.di Diagramm: Tarifsteigerungen und Inflation

    Dieselbe Erhöhung für arbeitnehmerähnliche Freie und Pauschalisten
    Die Erhöhungsschritte werden ohne Abstriche oder weitere Verzögerungen auf die Honorare und Pauschalen nach dem Tarifvertrag für arbeitnehmerähnliche freie Journalistinnen und Journalisten angewandt. Das gab es vorher so noch nicht, insbesondere, dass Pauschalisten effektive Erhöhungen ihrer vereinbarten Vergütungen bekommen. Beim vorhergehenden Tarifabschluss waren die noch gedeckelt worden, diesmal konnten wir das verhindern. (Honorartabelle s. Seite 5)

    Der Norden ist dabei
    Das Tarifergebnis wird uneingeschränkt auf die Verlage in Kiel, Lübeck und Rostock übertragen. Die Verleger forderten zunächst über vier Verhandlungsrunden Tariferhöhungen von unter einem Prozent jährlich sowie bis zu sechs Nullmonate und drohten mit dem Ausstieg der Verlage im Norden! Diese Forderung konnte ver.di mithilfe der maßgeblichen Unterstützung durch die Streiks am fünften Verhandlungstag abwehren.

    Entscheidung fällt Ende Juli
    Am 28. Juli kommt die dju-Tarifkommission in Berlin zusammen. Freie und fest angestellte Redakteurinnen und Redakteure aus allen Bundesländern beraten dann über die Ergebnisse der Tarifrunde. Trotz Kritik am Ergebnis: anerkannt wird, dass es eine unerwartet starke Streikbewegung in den Verlagen gegeben hat. Möglich war eine breite Mobilsierung für eine reine Gehaltsrunde, die vorher von den wenigsten so erwartet wurde - Die aber angesichts der Verlegervorstellungen und Provokationen mit Mini-Angeboten auch unbedingt nötig war.

    Die vollständige Tarifinformation inklusive eines Überblicks über die Streikbewegung und der Gehalts- und Honorartabellen kann hier als PDF heruntergeladen werden: