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    Wir können auch lauter!

    Wir können auch lauter!

    Streikende auf dem Stuttgarter Schlossplatz ver.di Streikende auf dem Stuttgarter Schlossplatz

    Tageszeitungsjournalistinnen und –journalisten streiken für mehr Geld

    Das war an Deutlichkeit nicht zu überbieten: Direkt neben dem Verhandlungslokal für die dritte Runde der rund 13.000 fest angestellten und freien Tageszeitungsjournalistinnen und –journalisten reklamierten streikende Tageszeitungsredaktionen aus ganz Baden-Württemberg, Hessen und Bayern, dass die anreisenden Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Tageszeitungsverleger (BDZV) die Forderungen der dju in ver.di ernst nehmen und ein entsprechendes Angebot machen. Die dju in ver.di fordert 4,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 200 Euro monatlich mehr, für Volontärinnen und Volontäre und die Jungen in den Redaktion.

    Der Vorsitzende der dju-Tarifkommission und Redakteur der Nürnberger Nachrichten Klaus Schrage dankte in einer Ansprache den anwesenden rund 300 Streikenden und erklärte: „Die Verleger werfen uns vor, dass wir angeblich so früh schon streiken. Dabei haben wir nun schon Mitte März und der BDZV legt nur ein indiskutables Angebot vor. Sie stehen in der Verhandlung immer noch auf der Bremse, dabei sind echte Tariferhöhungen und Mindesterhöhungen für Berufseinsteiger überfällig.“ Auch der baden-württembergische ver.di-Landesleiter Martin Groß war unmissverständlich: „Diejenigen, die in der Demokratie eine tragende Rolle innehaben, müssen auch angemessen bezahlt werden!“

    Auch aus anderen Teilen der Bundesrepublik waren deutliche Töne zu hören: Hoch im Norden bei den Kieler Nachrichten gab es eine Protestaktion und bei den zum Madsack-Konzern gehörigen Redaktionen von den schleswig-holsteinischen Lübecker Nachrichten und der Ostsee-Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich an den Arbeitsniederlegungen, in Rostock wurden angesichts des Verhandlungsverlaufs dann die Streiks sogar verlängert, Verlags-Angestellte der Ostsee-Zeitung beteiligten sich im Soli-Streik. In einer Kundgebung vor dem Medienhaus am Steintor, bei der sich auch Kollegen aus dem Verlag solidarisierten, waren die jetzt bekannt gewordenen Rekordgewinne der größten Regionalzeitung Mecklenburg-Vorpommerns zentrales Thema. Ein Gewinn von 8,4 Millionen Euro, den die Bilanz 2016 ausweist, macht deutlich, dass die Forderungen nach einer angemessenen Erhöhung der Entgelte und einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen für arbeitnehmerähnliche freie Journalisten berechtigt sind.

    Frankenpost Tamara Pohl Großer Einsatz - aber kleines Geld?

    Und hörten die Verleger sie, die Signale?

    Sie haben wohl noch nicht mal den Schuss gehört! Immer noch unterhalb der Inflationsrate liegt ihr Angebot von insgesamt 2,6 Prozent in zwei Stufen zum 1. August 2018 und 2019, immer noch wollen sie eine Tarifvertragslaufzeit von 30 Monaten und so wollen die Verleger Reallohnverluste bis Mitte 2020 fortsetzen. Außerdem machen sie immer noch eine Einigung abhängig von Zugeständnissen in der Gehaltsstruktur und einer Öffnungsklausel für Entgeltumwandlung. Immerhin haben sie ein Angebot für eine einmalige Mindesterhöhung von 120 Euro gemacht, auf dieser Verhandlungsbasis wird die dju in ver.di weitermachen und es zeigt: Da kommt was an auf der Arbeitgeberseite des Verhandlungstisches, wenn die Kolleginnen und Kollegen sich bemerkbar machen und ihren Forderungen lautstark Nachdruck verleihen.

    Wie gut: Wir können noch lauter!

    Am 9. April wird weiterverhandelt. Zu diesem Termin wird es darauf ankommen, dass wir landauf, landab klar vernehmbar sagen, was wir wollen: Einen schnellen Abschluss, eine überschaubare Laufzeit, spürbar mehr Geld – Dafür brauchen wir Mitstreiterinnen und Mitstreiter, denn sonst bewegt sich nichts am Verhandlungstisch!

    Streikbetriebe Zeitungsredaktionen am 12.03.2018, Stand 13.03.2018, 13:00 Uhr

    Baden-Württemberg: Heilbronner Stimme, Heilbronn; Südwestpresse, Ulm; Stuttgarter Zeitung / Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart; Schwarzwälder Bote Redaktionsgesellschaft mbH, Oberndorf; Online-Gesellschaft der SWMH-Südwestdeutsche Medienholding; Stuttgart; Esslinger Zeitung, Esslingen; Schwäbisches Tagblatt; Tübingen; Reutlinger Generalanzeiger, Reutlingen; Neue Württembergische Zeitung (NWZ); Göppingen; Nürtinger Zeitung, Nürtingen; Südwest Presse, Ulm; Ludwigsburger Kreiszeitung, Ludwigsburg; Schwäbische Post, Aalen; Heilbronner Stimme, Heilbronn; Mannheimer Morgen, Mannheim;

    Bayern: Oberbayerisches Volksblatt, Rosenheim; Nürnberger Nachrichten, Nürnberg; Nürnberger Zeitung/Nürnberger Nachrichten; Nürnberg;

    Hessen: Frankfurter Neue Presse und Regionalausgaben, Frankfurt/Main;

    Hamburg/Nord: Lübecker Nachrichten, Lübeck; Ostsee Zeitung, Rostock; Kieler Nachrichten, Kiel