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    Warnung vor "guten" Ratschlägen

    Warnung vor "guten" Ratschlägen

    Mahnbescheide an die VG Wort sind keine gute Empfehlung

    Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) warnt ihre Mitglieder davor, auf irreführende, vermeintliche „Ratschläge“, die im Internet kursieren, herein zu fallen und mit einem Mahnbescheid bei der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) bereits bei der jährlichen Ausschüttung gezahlte Summen noch einmal zu fordern.

    Dazu sollten die Wahrnehmungsberechtigten sich über Folgendes im Klaren sein:

    ·         50% macht der Verlagsanteil nur bei wissenschaftlichen Werken aus, bei anderen (Belletristik, Journalismus) beträgt er 30%. 

    ·         Nur für wissenschaftliche Veröffentlichungen kann also - bleibt es bei der aktuellen Rechtsprechung und handelt es sich um damit vergleichbare Fälle - ein Nachschlag in gleicher Höhe eingefordert werden.

    ·         In allen anderen Fällen beträgt die im besten Fall durchsetzbare Nachforderung 42,86% der bereits erhaltenen Ausschüttung. Dort bleiben die Antragstellerinnen und Antragsteller auf 57,14% der Verfahrenskosten sitzen, sollten sie die ausgezahlte Summe noch einmal einfordern.

    ·         Die Verfahrenskosten liegen bis zu einem Streitwert von rund 500 € höher als der Streitwert (das ist hier der geltend gemachte Betrag!). Wenn also z.B. Autorinnen und Autoren von Belletristik oder Journalistinnen und Journalisten dem vermeintlichen „Rat“ folgen, zahlen sie den größeren Anteil der Verfahrenskosten selbst.

    ·         Der kleinere Teil bleibt bei der VG Wort hängen und führt zu höheren Verwaltungskosten, die die Ausschüttungen an alle schmälern.

    ·         Was das praktisch bedeutet, ist in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

    Forderung (Streitwert)

    zuerkannter Anspruch

    Kosten des Verfahrens

    Kostenanteil Kläger

    Ertrag Kläger

    Kosten VG Wort

     100,00 €

     42,86 €

     469,09 €

     268,05 €

    -225,19 €

     201,04 €

     200,00 €

     85,71 €

     469,09 €

     268,05 €

    -182,34 €

     201,04 €

     300,00 €

     128,57 €

     469,09 €

     268,05 €

    -139,48 €

     201,04 €

     400,00 €

     171,43 €

     469,09 €

     268,05 €

    -96,62 €

     201,04 €

     500,00 €

     214,29 €

     469,09 €

     268,05 €

    -53,77 €

     201,04 €

     600,00 €

     257,14 €

     768,28 €

     439,02 €

    -181,87 €

     329,26 €

     1.000,00 €

     428,57 €

     768,28 €

     439,02 €

    -10,45 €

     329,26 €

    Zur Erläuterung: Wer 100 € erhalten hat und den gleichen Betrag einklagt, bekommt – unter den genannten Voraussetzungen – 42,86 € zugesprochen, zahlt aber 268,05 € Verfahrenskosten, legt also 225,19 € drauf. So geht das bis etwa 1.000 €. Erst bei höheren Forderungen reicht der eventuell eingeklagte Betrag aus, um die anteiligen Prozesskosten zu zahlen. Anders ist das nur bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen. - Wer partout durch eine Klage die Ansprüche sicher stellen will, sollte also erstens auf die korrekte Summe klagen und zweitens bedenken, dass die Klage auch verloren werden kann.

    Wer also rät, der VG Wort ohne nähere Prüfung einen Mahnbescheid zustellen zu lassen, indem er die an ihn ausgezahlte Summe noch einmal fordert, ohne 'Wissenschaftsautor' zu sein, haut bei 1.000 € Klagesumme erst mal gut 10 € eigenes Geld auf den Kopf. Zusätzlich verlieren alle Autorinnen und Autoren viel Geld, wenn sie durch Gerichtsverfahren die Verwaltungskosten bei der VG Wort nach oben treiben. Neben dem eigenen Verlust wird in diesem Beispiel zusätzlich das Ausschüttungsvolumen für alle um knapp 330 € gemindert. Aber auch wer die korrekte Summe einklagt, verliegt mittelbar: Bei einem verlorenen Prozess um 1.000 € muss die VG Wort noch einmal rund 770 € Verfahrenskosten drauflegen, die nicht mehr für Ausschüttungen zur Verfügung stehen. Das wäre natürlich in Kauf zu nehmen, wenn es keine andere Möglichkeit gäbe, berechtigte Ansprüche zu befriedigen.

    Eine Alternative dazu ist allerdings im Verteilungsplan der VG Wort  angelegt: Dessen §6 sieht ausdrücklich die nachträgliche Korrektur der Verteilung auch für die Vergangenheit vor, sollte sich eine "Verteilung, die eine Vielzahl von Berechtigten betrifft, für einen Abrechnungszeitraum im Nachhinein insgesamt oder in Teilen aufgrund objektiver Umstände als fehlerhaft erweisen, insbesondere wegen der Nichtigkeit einer Regelung dieses Verteilungsplans, und ist eine Rückabwicklung und Neuvornahme der Verteilung nicht oder nur mit wirtschaftlich unverhältnismäßigen Aufwand möglich". In diesem Fall kann der Verwaltungsrat der VG WORT eine Lösung zur Neuverteilung zu finden, ohne Unsummen in Prozessen und Verwaltungskosten zu verbraten. Die Zusicherung im Verteilungsplan, die " möglichst vollständige Erfüllung der jeweiligen Ansprüche und das wirtschaftliche Gebot der Verhältnismäßigkeit abzuwägen", dabei den Gleichbehandlungsgrundsatz zu wahren und auf Härtefälle Rücksicht zu nehmen, ist natürlich keine Garantie, dass im Einzelfall auf 100,00 € Ausschüttung noch einmal 42,86 € (bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen 100,00 €) nachgezahlt werden. Aber es ist die klare Zusicherung, Fehler zu korrigieren, soweit das möglich ist – ohne durch Gerichts- und Anwaltskosten das Gesamtvolumen der Ausschüttungen deutlich zu reduzieren.