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    Vorsitzende der Selbstständigen bestätigt

    Vorsitzende der Selbstständigen bestätigt

    Gundula Lasch Susanne Stracke-Neumann Gundula Lasch sagt: Zusammenhalten

    Die freie Journalistin Gundula Lasch gibt ihnen eine Stimme

    Gundula Lasch ist freie Journalistin. Sie vertritt Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen im Bundesvorstand der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union dju in ver.di. Und sie wurde beim Leipziger ver.di-Kongress mit hervorragendem Ergebnis als Vorsitzende der Bundeskommision Selbstständige bestätigt. Stellvertretende Vorsitzende der Selbstständigen-Kommission ist Ursula Walther vom Fachbereich Medien, Kunst und Industire Bayern. Lasch vertritt die Personengruppe der Freien und Selbstständigen im Gewerkschaftsrat.

    Beim ver.di-Kongress in Leipzig ging Gundula Lasch ans Mikrofon „als Vertreterin der in ver.di organisierten Solo-Selbstständigen": „Stärke – Vielfalt - Zukunft. Dieses Motto gefällt uns", erklärte Lasch vor den rund 1000 Delegierten sowie zahlreichen Hauptamtlichen und Pressevertretern. Sie äußerte sich zum Thema „Perspektive 2015" und betonte, dass sich die Solo-Selbstständigen sich in den Prozess kräftig eingemischt und dafür gesorgt haben, dass schon im Grundsatzpapier festgestellt wird: „Getrieben durch den wirtschaftlichen Strukturwandel wächst die Beschäftigung im Dienstleistungsbereich. Die neuen Arbeitsplätze sind aber zunehmend prekär. In vielen Betrieben und Institutionen sind immer mehr Solo-Selbstständige als Auftragnehmer/-innen in die tägliche Arbeit eingebunden. Sie gehören formal nicht zum Betrieb, erfüllen in ihm aber wichtige Aufgaben. Alle diese erwerbstätigen Menschen werden von unserer Organisation als Teil der Belegschaften immer mitgedacht und -organisiert.“

    Soweit so gut, unterstrich Lasch, aber sie zeigte sich auch enttäuscht: „Was auf dieser Grundlage dann konkret getan wurde, war uns bisher zu mager." Frank Bsirske betone immer: „Die Zukunft der Gewerkschaften entscheidet sich im Betrieb." Diese Meinung teilten die Selbstständigen – allerdings mit einer Einschränkung: „Wir müssen insbesondere angesichts der Digitalisierung noch intensiver über die Definition „Betrieb“ diskutieren. Was ist ein Betrieb?".

    Lasch sagte dazu: „Wir meinen: Ein Betrieb ist aus gewerkschaftlicher Sicht eine wirtschaftliche Einheit, zu der alle Erwerbstätigen, die in oder für ihn arbeiten, gehören – ganz unabhängig davon, ob sie als Angestellte oder AuftragnehmerInnen tätig sind." In den letzten Jahren sei aber immer deutlicher geworden, wohin die Reise – (insbesondere bei wissensintensiven Dienstleistungen) gehe: Immer kleinere Kernbetriebe, immer größere, nicht tariflich erfasste „Satelliten“ ringsherum. Das können ausgelagerte Betriebsteile sein oder Werkvertragsunternehmen oder auch einzelne Selbstständige, die Aufgaben erledigen, die früher Angestellte hatten.

    Als Beispiel nennt sie die Volkshochschulen: „Hier ist es mittlerweile üblich, dass nur noch wenige Angestellte organisatorisch tätig sind. Die inhaltliche Arbeit der Volkshochschulen, nämlich die Lehrtätigkeit, erledigt eine große Zahl von selbstständigen Dozentinnen und Dozenten. Rund 180.000 sind es deutschlandweit, nur knapp 1.000 sind bislang bei uns gewerkschaftlich organisiert. Zum Vergleich der Möglichkeiten: Im Journalismus sind nur knapp 70.000 Selbstständige tätig – und davon ist über ein Viertel bei uns organisiert."

    Die Lehrkräfte haben keine Lobby und versuchen mühsam, sich kollektiv zu organisieren. Hilfe von ihren Gewerkschaften – nämlich ver.di und GEW - bekämen sie bisher zu wenig. „Angesichts der aktuellen Flüchtlings-Entwicklung und den eklatant steigenden Bedarfen,  etwa an Sprachkursen, dürfte sich die Zahl derer, die staatliche Hohheitsaufgaben zu Hungerhonoraren übernehmen sollen, weiter deutlich erhöhen", befürchtet die Sprecherin der Selbstständigen.

    Ähnlich schlecht sei die Einkommenssituation bei anderen Trägern der Aus- und Weiterbildung. Die dort oft erzwungen selbstständig tätigen Kolleginnen seien aber auch betrieblich kollektiv zu erreichen und zu organisieren: „Das muss von uns viel stärker wahrgenommen und angegangen werden." Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei ein gutes Beispiel, was dann möglich sei. Hier würden Selbstständige, die regelmäßig für die Sender arbeiten, gemäß Paragraph 12a des Tarifvertragsgesetzes als Arbeitnehmerähnliche in Tarifverhandlungen einbezogen.

    „Nochmals schärfer stellt sich die Differenz zwischen Arbeitsmarkt und unserem Organisationsgrad in der IT-Branche sowie internetbasierten Dienstleistungsportalen dar." Der DGB-Vorsitzende Rainer Hoffmann hatte am Eröffnungsabend bereits von der „schönen neuen Welt des digitalen Plattform-Kapitalismus" gesprochen, in der eine wachsende Zahl von Solo-Selbstständigen unter miserablen Bedingungen ohne Arbeitnehmerrechte und ohne soziale Absicherung arbeiten. „Das werden wir im Themengebiet Digitalisierung noch ausführlich diskutieren, hier nur vorweg: Dort liegt unser Organisationsgrad unter 0,2 Prozent", führte Lasch aus..

    In Deutschland über über 2,3 Millionen Menschen – sechs Prozent aller Erwerbstätigen - als Solo-Selbstständige tätig, 30.000 von ihnen sind Mitglied in ver.di. „Mehr Mitglieder können wir unter denen, die regelmäßig für einen Betrieb arbeiten, gewinnen, wenn wir gemeinsam mit ihnen kollektive Lösungen entwickeln." Nach Einführung des gesetzlichen Mindestlohns seien es nur noch die Solo-Selbstständigen, deren Mindesteinkünfte völlig ungeregelt sind. „Das muss ver.di, das müssen aber auch Betriebs- und Personalräte noch mehr in den Blick bekommen! Wir Selbstständige gehören zur starken Vielfalt von ver.di. Wir wollen aktiv daran mitarbeiten, mehr Selbstständige für ver.di zu gewinnen und gemeinsam mit ihnen - wie mit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern - für gute Arbeit und gutes Leben zu kämpfen. Doch das ist rein ehrenamtlich nicht zu leisten. Das schaffen wir nur mit vereinten Kräften", beschwor sie alle Kongressteilnehmerinnen und -teilnehmer.