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    Empörung in Dortmund

    Empörung in Dortmund

    Reden voller Empörung gegen die Schließung der WR-Redaktion

    Zahlreiche Rednerinnen und Redner formulierten heute in Dortmund ihren Protest gegen den Verlust der Eigenständigkeit der Westfälischen Rundschau und das Agieren des WAZ-Konzerns.

    Ulrich Janßen, Bundesvorsitzender der dju in ver.di, erklärte auf dem Alter Markt vor über 1000 Demonstranten, das die WAZ gegen geltendes Recht verstoße und "hinterrücks" agiere: "Ich bin kein Jurist, sondern Journalist – und ein einigermaßen erfahrener Betriebsrat. Und aus meiner Sicht verstößt das Unternehmen gleich gegen mehrere Vorschriften des Betriebsverfassungsgesetzes:
    - rechtzeitige Information des Betriebsrats über die Personalplanung
    - rechtzeitige Information und Beratung bei so genannten Betriebsänderungen, wozu auch geplante Entlassungen dieses Umfangs gehören. In den Verhandlungen mit dem BR kein Wort davon. Stattdessen – so war in der FAZ zu lesen – hat die Gesellschafterversammlung am 27. Dezember 2112 den Beschluss gefasst. Und auch danach wochenlang NICHTS.”

    Am Alter Markt angekommen, ist die Menge der Demonstranten gegen die Schließung einer eigenständigen Redaktion der Westfälischen Rundschau bereits auf über 1000 Menschen angewachsen.

    Guntram Schneider, Landesminister für Arbeit und Soziales forderte: "Es darf im Jahr 2013 nicht mehr gelten, dass die Pressefreiheit die Freiheit einiger Weniger ist." Er betonte, dass Eigentum verpflichte. Es könne nicht sein, dass Zeitungen gehandelt werden wie Zitronen. "Wenn morgens um 6:30 Uhr nicht die WR auf dem Tisch liegt, fehlt etwas. Wir brauchen diese Zeitung als Gegenpol zum journalistischen Einheitsbrei.”

    Die Ministerin für Medien in Nordrhein-Westfalen, Angelica Schwall-Düren, sagte: "Als uns am Dienstag die Nachricht über die Schließung erreichte, hat uns das sehr betroffen gemacht."

    Ulrich Dettmann, stellvertretender Landesleiter der Gewerschaft ver.di beklagte: "Die Mehrheitsgesellschafter haben sich von den Idealen des Verlags verabschiedet." Er forderte: "Von hier und heute soll ein Signal ausgehen. Wir werden uns nicht ergeben."

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    Plakat für die Demonstration zum Erhalt der Westfälischen Rundschau

    Martin Kaysh vom Kabarett "Geierabend" drückte seine Solidarität mit den Beschäftigten aus. Er äußerte sich aber auch als wütender Leser: "Wir wollen ernstgenommen werden. Verlage genießen Steuervorteile, sind arbeitsrechtlich bessergestellt und grundgesetzlich geschützt, weil sie keine Wurstfabriken sind. Warum benehmen die sich dann so?"

    Betriebsrat Tonscheid freute sich über die Unterstützung. " Es tut den Beschäftigen und dem Betriebsrat gut, dass so viele tausend Menschen mit uns solidarisch stehe. Danke." Und er forderte: "Es darf nicht sein, dass hier ein Präzedenzfall verlegerischer Verantwortungslosigkeit geschaffen wird."

    Die Veranstalter gingen gegen 13 Uhr von 1200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Demo am Alter Markt aus. Radio Unna meldete zum Schluss der Demo kurz vor 13.30 Uhr sogar eine Teilnehmerzahl von 3000.

    Auf der Soli-Seite "Rundschau retten" haben schon über 2600 Unterstützer die Petition zugunsten der Westfälischen-Rundschau-Redaktion unterzeichnet. Die Facebook-Seite "WR muss bleiben" nähert sich der Zweitausender-Grenze bei ihren Unterstützern.