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    dju-Mitgliederbrief September 2014

    dju-Mitgliederbrief September 2014

    dju-Logo dju/ver.di dju und Fachgruppe Medien in verdi

    Liebe Kollegin, lieber Kollege,

    endlich mal eine gute Nachricht – vor allem für die jungen Angestellten in der Medienbranche: Der Mindestlohn kommt. Ab kommendem Jahr müssen in Deutschland 8,50 Euro pro Arbeitsstunde gezahlt werden. In ganz Deutschland? Leider nein: Es gibt weiße Flecken auf der Karte, schmerzhafte, nicht nachvollziehbare Ausnahmen und es gibt jede Menge Freie, die vom Mindestlohn auch nichts haben. Dabei  gibt es keinen Grund, dass irgendwer irgendwo in der Bundesrepublik nur einen Hungerlohn für ihre oder seine Arbeit erhält. Dennoch hat sich beispielsweise der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger mit seiner Forderung nach einer Ausnahme für die Zeitungszusteller durchgesetzt: Die rund 300.000 Kolleginnen und Kollegen sollen mindestens zwei Jahre länger auf den Mindestlohn warten. In der Mehrheit haben sie allerdings schon ab dem kommenden Jahr Anspruch auf den vollen gesetzlichen Mindestlohn, denn die Ausnahme gilt nur für diejenigen, die ausschließlich Zeitungen oder Anzeigenblätter verteilen. Nahezu alle Zustellerinnen und Zusteller verteilen für ihre Verlage aber auch Werbeprospekte und Briefe.

    Ein Erfolg ist die Einführung des Mindestlohns auf jeden Fall für die jungen Menschen, die sich zum Teil über Jahre von Praktikum zu Praktikum gehangelt haben, immer in der Hoffnung auf einen „Klebeeffekt“, der ihnen zu einem festen Job verhelfen möge. Sie haben dafür in Hörfunk-, Fernseh- oder Printredaktionen die Arbeit ausgebildeter Redakteurinnen und Redakteure geleistet, im Schichtbetrieb gearbeitet, Verantwortung für Sender und Verlage übernommen und sind gnadenlos ausgebeutet worden. Diesem Geschäftsmodell wird nun endlich ein Ende bereitet: Alle, die nach einem abgeschlossenen Studium ein Praktikum absolvieren, das länger als drei Monate dauert und nicht Teil einer Ausbildung ist, haben zumindest Anspruch auf die 8,50 Euro - was ja immer noch wenig genug ist.

    Der Wermutstropfen für den journalistischen Nachwuchs: Volontariate zählen zu den Ausnahmen. „Kein Problem“ ist dies für diejenigen, die nach Volontärstarifvertrag ausgebildet werden. Für sie liegt die Höhe des Stundenentgelts umgerechnet natürlich über 8,50 Euro. Aber leider tummeln sich viele schwarze Schafe in der Medienbranche, die ihren hoch qualifizierten Auszubildenden den Tarifvertrag vorenthalten, darauf setzend, dass die Dankbarkeit, überhaupt „was mit Medien“ machen zu können, schon groß genug sein wird.

    Auch diese Regelungen und ihre Ausnahmen zeigen, wie wichtig es ist, sich zu organisieren, in ver.di und der dju eine Anlaufstelle zu haben, wo Mitglieder sich beraten lassen können und Unterstützung darin finden, ihre Interessen und ihr gutes Recht gemeinsam durchzusetzen.

    Gerechtigkeit ist das Thema, für das wir streiten. Gerechtigkeit und Solidarität aller, die dafür sorgen, dass am Ende eine Zeitung, ein Artikel im Netz, ein Fernseh- oder Radiobeitrag steht. Es geht aber auch um Generationengerechtigkeit: Die Jungen brauchen eine Perspektive und eine gute Ausbildung. Deshalb entwickeln wir zum Beispiel Konzepte zur crossmedialen Ausbildung, die die Realität in den Redaktionen vernünftig abbilden und die jungen Menschen auf  ihre Arbeit vernünftig und nachhaltig vorbereiten.

    Sie sollen ebenso wie die Älteren im Ruhestand abgesichert sein, denn dafür haben sie während ihres gesamten Arbeitslebens hohe Beiträge gezahlt. Das geht uns alle an, sagen wir daher zum Thema Altersversorgung, die aktuell in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten auf der Tagesordnung steht. Wir wollen eine zukunftsfeste Altersversorgung und lassen es nicht zu, dass alt und jung gegeneinander ausgespielt werden! Dafür gehen wir notfalls auch in den Konflikt, Junge und nicht mehr ganz so Junge gemeinsam. Was sich da so abspielt, darüber berichten wir ab 15. September auf unserer neuen Seite  www.rundfunk.verdi.de. Und über alles, was an Berufspolitik für Journalistinnen und Journalisten, an Tarifpolitik in Printredaktionen und Freienthemen  läuft - und das ist eine Menge! - berichten wir natürlich weiter wie gewohnt auf www.dju.verdi.de.

    Hier kann sich auch registrieren, wer als junge Journalistin oder als junger Journalist zusätzlich von der ver.di-Mitgliedschaft profitieren möchte: Wir vermitteln an die 350 Schnellsten kostenlos ein auf ein Jahr befristetes Abo der Online-Publikation „Krautreporter“. Voraussetzungen sind die Mitgliedschaft in ver.di und der Ausbildungsstatus, egal, ob an Journalistenschulen, an Universitäten, in Verlagen, Hörfunk, Fernsehen oder Online. 

    Gespendet wurden die Zugangscodes übrigens von der gemeinnützigen Rudolf Augstein Stiftung, die sich der Stärkung des  Qualitätsjournalismus verschrieben hat. Sie versteht sich als Starthelferin für innovative Projekte und fördert den journalistischen Nachwuchs. Durch die Krautreporter-Mitgliedschaften sollen Journalistinnen und Journalisten in Ausbildung die Möglichkeit erhalten, ein publizistisches Experiment bereits ab der Beta-Phase zu begleiten.

    Und wie gewohnt bieten wir auch in der zweiten Jahreshälfte eine Reihe von Veranstaltungen für alle an, die mit und für die Medien arbeiten.

    Auf unserer medienpolitischen Tagung vom 17. - 19. Oktober widmen wir uns der Frage, welche Auswirkungen auf die journalistische Arbeit die Abhörpraxis und Datensammelwut der NSA, globaler Internetfirmen und des Verfassungsschutzes  haben. Über Datenschutz diskutieren wir zum Beispiel mit Thilo Weichert, einem der profiliertesten Datenschützer der Republik, über Quellenschutz beziehungsweise die Rolle von whistleblowern, mit Inge Hannemann, die selber „gepfiffen“ hat und selbstkritisch über den journalistischen Umgang mit der Ausspäherei, sowie mit Johannes Boie von der Süddeutschen Zeitung. Zum Programm und zur Anmeldung geht’s hier http://tinyurl.com/mkkk5a9.

    Am 29. November findet dann der 28. Journalistentag statt. Dort wollen wir der Frage nachgehen, ob „schneller, flüchtiger und banaler“ prägend für die Kommunikation in sozialen Medien ist und wie sich die Wechselwirkung mit dem Journalismus gestaltet. Wie genau sehen diese Effekte aus und welche gesellschaftlichen Auswirkungen haben sie, auch diesen Fragen gehen wir nach.
    Entsprechend findet der Journalistentag unter dem Motto statt: „Lokal, Regional, International, Trivial - Wie breit machen wir den Boulevard?“. Programm und Anmeldung unter www.dju.verdi.de\journalistentag.

    Viele Gelegenheiten, mitzumachen, sich auszutauschen und viel zu tun – Wir freuen uns darauf!

    Herzliche Grüße

    Cornelia Haß

    und das Team des Bereichs Medien in der ver.di-Bundesverwaltung