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    Freiheit ist der Sauerstoff des Journalismus

    Freiheit ist der Sauerstoff des Journalismus

    Journalismus ist der Garant der Demokratie

    Auch dieses Jahr begrüßen wir den 3. Mai als Berichterstatter eines Landes, in dem Menschen, die  Karikaturen zeichnen und Tweets teilen wegen Beleidigung des Präsidenten angeklagt werden, Verfassern von Artikeln und Schlagzeilen Volksverhetzung gegen die Regierung angelastet wird, Menschen, die Dokumentationen drehen, wegen Terrorpropaganda angeklagt werden, Zeitungen der Gerichtsbarkeit unterworfen und Journalisten eingesperrt werden und dessen Pressefreiheit weltweit auf dem 154. Platz rangiert.

    Seit 1993, dem Jahr in dem der Internationale Tag der Pressefreiheit verkündet wurde, ist es uns Journalisten in der Türkei bisher nicht gelungen diesen Tag zu "feiern". Heute sind 21 unserer Kollegen in Haft, manche von ihnen schon seit Jahren, gegen hunderte Journalisten wird in tausenden von Prozessen gerichtlich vorgegangen. Demgegenüber haben wir es mit einer Regierung zu tun, die uns regelrecht zum Narren hält, indem sie vorgibt, die freiesten Medien überhaupt zu besitzen.

    Das Terrorbekämpfungsgesetz (TMK) wird seit Jahren dazu genutzt, Menschen, die schreiben und zeichnen zu terrorisieren und zu unterdrücken. Von uns wird verlangt, den Beruf des Journalismus – dem das Stellen von Fragen zu Grunde liegt - so auszuüben, indem wir keine Fragen stellen oder nur solche, die der Regierung angenehm sind.

    Alle jene, deren Fragen die Regierung stören, sind auf der Straße oder in den sozialen Medien einer Lynchjustiz ausgesetzt. Oppositionellen Journalisten wird es verwehrt, mittels Akkreditierung an Information zu kommen um diese dann dem Volk zu vermitteln; Orte, die eigentlich für die Öffentlichkeit bestimmt sind, werden gesperrt. Das aktuelle Akkreditierungssystem treibt es fast so weit, dass Journalisten, Pressefotografen und Kameraleuten, die nicht im Einklang mit der Regierung stehen, nicht einmal mehr Zutritt zu den Innenhöfen der Moscheen bekommen.

    Wir befürchten, dass wir Journalisten auf diesem Wege selbst vom Parlament ausgeschlossen werden, wo Vertreter des Volkes ihre Pflicht der Gesetzgebung ausüben. Das Widerrufungsrecht wird missbraucht, indem jeder regierungskritische Artikel ohne jedwede umfangreiche Untersuchung dementiert wird.

    Ein System, in dem die Regierung gleichzeitig die Rolle eines Medien-Tycoons innehat und die Medien in der Hand von Holdings sind, die alles machen, nur keinen Journalismus, beabsichtigt die Schaffung einer Medienlandschaft, „ohne Journalisten und ohne Pressefotografen". Wir erleben einen Albtraum der Arbeitslosigkeit, in dem täglich 10, 100, 1000 Journalisten entlassen werden.

    Jene von uns, die noch nicht entlassen worden sind, müssen jahrelang ohne Gewerkschaft unter sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten, ohne Hoffnung auf Gehaltserhöhung und einem Lohn, der unter der Armutsgrenze liegt. Dafür sollen wir auch noch dankbar sein.

    In einer Zeit, in welcher der ökonomische, politische und physische Druck, sowie die Bedrohung und Unterdrückung auf dem Höhepunkt angelangt sind; der Staats- als auch der Ministerpräsident ohne rechtlichen Beschluss bei jeglichen Institutionen intervenieren und Nachrichtensperren verhängen kann, versucht man, Medienorganisationen, deren Publikationen und Sendungen nicht gefallen, mittels Steuerstrafe zu kontrollieren. In einer solchen Zeit stellt die unvermeidbare Selbstzensur ein weiteres großes Hindernis für das Informationsbeschaffungsrecht des Volkes dar.

    Auch das von der Welt als Freiheitsraum angesehene Internet hat sich zu einer Verbotszone gewandelt. Jetzt kann der Zugang zu Webseiten ohne rechtlichen Beschluss unterbunden werden und Regelungen, die sozialen Medien in Ketten zu legen, sind bereits im Gange. 

    Gegenüber diesen Bedingungen gibt es auch Menschen, die sich jede Tür zum „Journalismus" offen halten. Hochbezahlte „Schriftführer", die die Bildschirme und Kolumnen füllen. Die Geschichte wird auch sie auf der Schandseite des Journalismus vermerken.

    Wir, die wir als Berufsvereinigungen dieses Dokument unterschrieben haben, glauben daran, dass man als Journalist weitsichtig sein muss und dass das wichtigste Kriterium der Weitsichtigkeit jenes ist, nicht der Autorität und der Regierung, sondern dem Volk zu dienen. Aus diesem Grund bestehen wir darauf: „Die Freiheit ist der Sauerstoff des Journalismus, freier Journalismus wiederum der Garant der Demokratie." 

    Wir führen unseren Kampf für Pressefreiheit nicht nur in Hinsicht auf die Ausübung eines Berufs, sondern wollen betonen, dass dies der Kampf jedes Bürgers ist, der sich eine freie und demokratische Türkei herbeisehnt. Also rufen wir alle und jeden dazu auf: „ERHEBT EUCH FÜR DEN JOURNALISMUS".

    Die Unterzeichner:

    Plattform  für die Freiheit von Journalisten (Gazetecilere Özgürlük Platformu) [94 nationale und lokal Journalistenorganisationen sind eingeschlossen]

    G-9 Plattform [einschließlich der Gesellschaft der Europäischen Journalisten (AEJ Stellvertreter der Türkei, Basın-Sen (Gewerkschaft der Presse des öffentlichen Sektors), Gesellschaft der Progressiven Journalisten (ÇGD), Gesellschaft der Reporter für Diplomatische Beziehungen (DMD),  Gesellschaft der Wirtschaftsreporter (EMD), Gesellschaft der Parlamentsreporter (PMD), Gesellschaft der Kameraleute für  Professionelle Nachrichten, Gesellschaft für Tourismus und Umweltreporter, Basın-İş (Pressegewerkschaft), Gesellschaft der Fotojournalisten der Türkei (TFMD), Stellvertreter der Gesellschaft für Journalisten der Türkei in Ankara (TGC), Gewerkschaft der Journalisten der Türkei (TGS) ]