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    "Das Handwerk der Unabhängigkeit"

    "Das Handwerk der Unabhängigkeit"

    Journalistische Sommerschule der Hans-Böckler-Stiftung (HBS)

    „Das Handwerk der Unabhängigkeit“ – so lautete in diesem Jahr das Motto der Journalistischen Sommerschule der Hans-Böckler-Stiftung (HBS). Die Veranstaltung richtete sich an Stipendiatinnen und Stipendiaten der HBS, die ihre berufliche Zukunft im Journalismus sehen oder die im Bereich Medien und Journalismus studieren. Unabhängigkeit ist die wichtigste Voraussetzung für journalistisches Arbeiten, so die Grundthese des einwöchigen Seminars. In der Praxis jedoch gibt es viele Grauzonen.

    Politikjournalisten werden umgarnt von Lobbyisten, PR-Agenturen finanzieren Pressereisen, Tageszeitungen berichten über die Unternehmen, die große Anzeigen schalten. Erfahrene Journalisten berichteten den Teilnehmern von der täglichen Arbeit in diesen Grauzonen und davon, wie Journalisten und Redaktionen ihre Unabhängigkeit aufrechterhalten.

    Peter Freitag, stellvertretender Vorsitzender der dju in ver.di, betonte in seinem Vortrag, dass zu den Grundvoraussetzungen journalistischer Unabhängigkeit unverzichtbar auch gute und faire Arbeitsbedingungen in den Redaktionen gehört. „Wenn Journalistinnen und Journalisten dauerhaft Existenzsorgen haben müssen, fördert das nicht ihre Unabhängigkeit“, sagte er. „Wer sich von einem befristeten Job zum nächsten hangeln oder von Dumpinghonoraren leben muss, gerät schneller in Gefahr, seine Unabhängigkeit einzubüßen, als Kolleginnen, denen ihr Arbeitgeber mit einem fairen Tarifgehalt und einem unbefristeten Arbeitsverhältnis der Rücken stärkt.“

    Vor diesem Hintergrund sei der Trend vieler Zeitungsverlage, Redakteure in tariflosen Tochtergesellschaften zu beschäftigen und freien Journalistinnen und Journalisten eine faire Honorierung – etwa nach den gemeinsamen Vergütungsregeln – zu verweigern, auch ein Angriff auf die journalistische Unabhängigkeit.