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    Verleger beharren auf Kürzungen

    Verleger beharren auf Kürzungen

    BDZV ist offenbar unfähig, sich auf eine gemeinsame Tarifstrategie zu verständigen

    Ohne Ergebnis sind in der Nacht vom 26. auf den 27. März nach mehr als zwölfstündigem Ringen um eine Lösung die Tarifverhandlungen für die rund 14.000 Redakteurinnen und Redakteure, Pauschalisten und Freie bei Tageszeitungen unterbrochen worden. Rund 1500 Streikende haben in den vergangenen Tagen in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern deutlich gemacht, dass sie nicht bereit sind, ein tarifliches Minusgeschäft einzugehen. Diese Botschaft ist auch angekommen.Aber der Bundesverband Deutscher Zeitungsverlage (BDZV) ist offenbar unfähig, sich auf eine gemeinsame Tarifstrategie zu verständigen. Die Verleger beharren nach wie vor kompromisslos auf Kürzungen.

    In den Verhandlungen hat sich die Verhandlungskommission der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di hingegen intensiv um eine Lösung im Tarifkonflikt bemüht. So haben wir mit dem BDZV über mehrere unterschiedliche Modelle verhandelt, die am Ende zu einem leichten Plus für unsere Mitglieder geführt hätten, den Forderungen der Verlegervertreter aber dennoch entgegengekommen
    wären. Die Verleger haben ihrerseits jedoch keinerlei Kompromissbereitschaft gezeigt: Wer so verhandelt, hat an einem Abschluss offenbar kein Interesse!

    Bis zuletzt hat der BDZV darauf bestanden, die Jahresleistung und das Urlaubsgeld stufenweise über die kommenden fünf Jahre von jetzt 1,75 auf 1,5 Monatsgehälter abzusenken und den Urlaubsanspruch zu verschlechtern, denn neu eingestellte Redakteurinnen und Redakteure sollen nur 30 Tage Urlaub bekommen. Die Kürzungen von Jahresleistung und Urlaubsgeld sollten nach dem Willen des BDZV für Neueinstellungen und im Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Niedersachsen und evtl. auch in Hamburg) sofort greifen. Aber auch für alle anderen soll beginnend mit der Jahresleistung 2014 mit jeder weiteren Zahlung von Urlaubsgeld und Jahresleistung jeweils 2,5 Prozentpunkte eines Gehalts weniger gezahlt werden, bis im Jahr 2019 ein Viertel Monatsgehalt
    fehlen würde.

    Dem gegenüber können sich die Verlegervertreter vorstellen, die Einkommen in einer Laufzeit
    bis zum 31. Januar 2016 in zwei Schritten zum 1. Mai 2014 und zum 1. April 2015 um
    jeweils zwei Prozent zu erhöhen.
    Was bedeutet dies in einer Beispielrechnung:

    • Jetzt beträgt das Einstiegsgehalt eines Redakteurs / einer Redakteurin 3032,- Euro und damit pro Jahr bei 13,75 Gehältern 41.690,- Euro in 2013.
    • Bei nur noch 13,5 Monatsgehältern sinkt das Jahreseinkommen auf 40.932,- Euro, ist damit um 1,8 Prozent niedriger.
    • Die Absenkung der Jahresleistung in 2014 um 2,5 Prozentpunkte bedeutet zusammen mit einer Erhöhung des Monatsgehalts um 2,0 Prozent ab Mai 2014 ein Jahresgehalt von dann 42.204,- Euro in 2014, das damit nur um 1,23 Prozent höher liegt als das Vorjahresgehalt. Bei einer Preissteigerung von 1,5 Prozent in 2013 bedeutet dies also in jedem Fall einen Reallohnverlust.
    • Bei einer weiteren Tariferhöhung um 2,0 Prozent ab April 2015 auf 3154,- Euro pro Monat und dann nur noch 1,675 Monatsgehältern als Urlaubsgeld und Jahresleistung käme ein Jahresgehalt von 42.952,- Euro in 2015 heraus, das damit nur um 1,77 Prozent höher
    ausfällt als das Vorjahreseinkommen. Auch hier würde die Einkommensveränderung nicht zu einem spürbaren Plus im Portemonnaie führen.

    Zugleich sollen wir einer Verschlechterung der Gehaltsstruktur zustimmen, um eine Erweiterung des Geltungsbereichs um die Onliner und um Verlagstöchter, in denen redaktionelle Inhalte produziert werden, zu ermöglichen. Ein solcher Abschluss würde unterm Strich ein Minus bedeuten, und zwar nicht nur für die Kolleginnen und Kollegen in den nördlichen Bundesländern und Neueinstellungen, sondern für alle. Einem solchen Minus haben wir von vornherein eine klare Absage erteilt und Ihr habt dieser Position mit Euren Streiks den nötigen Nachdruck verliehen und der Verhandlungskommission damit das Kreuz gestärkt.

    Die BDZV-Vertreter waren jedoch nicht willens (oder in der Lage?), über ihre Verhandlungsposition, die für keinen Redakteur und keine Redakteurin einen Einkommensvorteil bieten würde, spürbar hinaus zu gehen. Über die Situation nach der Unterbrechung der Tarifverhandlungen gibt es nun jede Menge Gesprächsbedarf. Gleich am Tag nach der neunten Verhandlungsrunde setzten unsere
    Kolleginnen und Kollegen in Ostwestfalen-Lippe und in Baden-Württemberg daher ihre Streiks fort und diskutierten bei Streikkonferenzen den Verlauf der Tarifauseinandersetzung.

    Am 4. April tagt die dju-Tarifkommission in Berlin, um den weiteren Kurs festzustecken, denn ein weiterer Termin zur Fortsetzung der Verhandlungen wurde bisher nicht vereinbart. Je breiter die Meinungsbildung unter den Streikenden in den Redaktionen bis dahin
    voran geschritten ist, desto besser!