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    Somalia

    Journalistengewerkschaft in Somalia trotzt dem Bürgerkrieg

    Wolfgang Mayer Wolfgang Mayer Wolfgang Mayer

    Der dju-Vorstand  hat der Journalistengewerkschaft in Somalia seine ausdrückliche Solidarität und Unterstützung zugesichert. Trotz des Bürgerkriegs kämpfen Gewerkschafter in dem Land erfolgreich für die Interessen der Kollegen und Kolleginnen.  

    Seit Anfang des Jahres wurden in Somalia bereits 18 Mitarbeiter von örtlichen Medien getötet. Unser Kollege Wolfgang Mayer, zuständig für Internationales, hält Kontakt mit Mohamed Ibrahim, dem Generalsekretär der National Union of Somali Journalists (NUSOJ) in der Hauptstadt Mogadishu. Wir befragten Wolfgang Mayer über die Situation der Kollegen und Kolleginnen in dem ostafrikanischen Land.

    18 Tote – werden die Morde denn aufgeklärt und die Täter gefasst?

    Bisher nicht. Der Hintergrund ist klar: Die Berichte der Opfer – sie arbeiteten in der Mehrzahl im Rundfunk und für Online-Ausgaben der Sender – waren für die Auftraggeber der Morde allzu unbequem. Unter dem Druck der NUSOJ in Mogadishu hat die Regierung aber jetzt eine Untersuchungskommission gebildet und versprochen, den Morden Einhalt zu gebieten. Das ist in dem Land, das nur sehr langsam zu stabileren Verhältnissen zurückkehrt, bereits ein großer Schritt.

    Journalisten in Somalia – gibt es in dem Land überhaupt Medien, für die sie arbeiten können?

    Es gibt unter den gegebenen Umständen eine erstaunliche Medienvielfalt. Von rund 450 Mitgliedern, die die NUSOJ nennt, arbeitet knapp die Hälfte für Rundfunksender, 60 für Nachrichtenagenturen. Mehr als 50 sind in digitalen Medien beschäftigt, allerdings nur 20 in Zeitungen. Die Medien sind in Mogadishu konzentriert. 14 der 18 Morde geschahen in Mogadishu.

    Kann man denn in Somalia als Journalist seinen Lebensunterhalt verdienen?

    Super-Einkommen sind das natürlich nicht. Aber die NUSOJ in Mogadishu hat in acht Medienhäusern Tarifverträge abgeschlossen. Wenn ich nicht Scans von Kopien davon gesehen hätte, hätte ich das nicht geglaubt. Ich kenne sonst keine andere Journalistengewerkschaft in Afrika, die solches vorweisen könnte. Momentan steht die NUSOJ sogar in Gesprächen mit der Regierung, um einen Presserat einzuführen.

    Was kann die dju zur Unterstützung tun?

    Es ist für die Journalistenkollegen unter der Führung von Mohamed Ibrahim allein schon wichtig, zu wissen, dass im Ausland Gewerkschafter Anteil nehmen an ihren Bemühungen und ihre Solidarität bekunden. Aus der Ferne lassen sich auch Ratschläge geben – was ihnen davon nützlich ist, wissen nur sie alleine selber.