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    Tageszeitungen im Streik

    Tageszeitungen im Streik

    15.06.2016

    Der Norden soll nicht abgehängt werden - Streik in Kiel, Rostock, Lübeck, Segeberg und Flensburg

    Die Redaktionen der Kieler Nachrichten, der Lübecker Nachrichten, der Segeberger Zeitung und von Flensborg Avis sind heute (Mittwoch, 15. Juni) in einen befristeten Warnstreik getreten. Nicht beteiligt ist die Belegschaft des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (shz), der  vor einigen Jahren aus der Tarifbindung ausgeschieden ist. Mit dem Ausstand unterstützen die Redakteurinnen und Redakteure die bundesweiten Gehaltstarifverhandlungen im Tageszeitungsbereich, die heute in Düsseldorf fortgesetzt werden. Zum Streik hatten der Deutsche Journalistenverband (DJV) und die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di aufgerufen.

     „Wir befürchten, dass der Norden schlicht abgehängt werden soll“, sagt Günther Jesumann, amtierender Landesvorsitzender des DJV. „Dies werden wir uns nicht bieten lassen.“ Hintergrund ist, dass der Verband der Zeitungsverleger Norddeutschland, dem Tageszeitungen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern angehören, sich an der laufenden Tarifrunde nicht einmal beteiligt, also mutmaßlich Abschlüsse auf Bundesebene nicht anerkennen will. „Die Journalisteninnen und Journalisten in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern leisten qualitativ ebenso gute und erfolgreiche Arbeit, wie die Kolleginnen und Kollegen im restlichen Bundesgebiet. Es ist deshalb nicht akzeptabel, dass die Verleger eine schlechtere Vergütung  für den Norden anstreben. Die Arbeitgeber täuschen sich, wenn sie glauben, dass sie die Belegschaften spalten können und diese nicht solidarisch zusammenstehen. Dies zeigt sich in der Streikaktion des heutigen Tages“, sagt Martin Dieckmann, Fachbereichsleiter Medien, Ver.di-Landesbezirk Nord.

     Aktuell stocken die Verhandlungen auf Bundesebene. Der DJV fordert eine Anhebung der Gehälter um 4,5 Prozent, Ver.di will fünf Prozent mehr für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen. Die Verleger haben eine zweiprozentige Erhöhung angeboten, die sich über zwei Jahre verteilen soll. Die Zeitungsverlage in Niedersachsen und Bremen fordern, eine Gehaltserhöhung auf Dezember 2017 zu verschieben.

     „Wir hatten viele Jahre Verständnis für die schlechte Lage in vielen Verlagen – wir alle wissen, dass Zeitungen unter der Konkurrenz des Internets leiden“, so Jesumann. „Aber wir sind nicht bereit, Gewinne der Verlage durch Einschnitte bei der Belegschaft zu erkaufen.“ In allen Redaktionen verdichte sich die Arbeit, immer weniger Köpfe und Hände müssen immer mehr Inhalte füllen. „Die Verlage tun sich keinen Gefallen damit, ihre Beschäftigten, das wichtigste Kapitel eines Nachrichten-Unternehmens, zu verprellen“, sagt Dieckmann.

     Ostsee-Zeitung

    Auch die Redaktion der auflagenstärksten Tageszeitung im Nordosten unterstützt die bundesweiten Tarifverhandlungen und wehrt sich gegen eine Schlechterstellung angesichts wachsender Belastungen. Journalisten der Ostsee-Zeitung sind am heutigen Mittwoch in den Warnstreik getreten. Mit ihrem Ausstand unterstützen Redakteure, Volontäre und Pauschalisten bei Mecklenburg-Vorpommerns größter Tageszeitung (Auflage 136.000) die Forderung nach einer Erhöhung der Einkommen angesichts ständig zunehmender Arbeitsaufgaben. 

    „Der die OZ beherrschende Madsack-Konzern versucht – trotz guter wirtschaftlicher Ergebnisse des Blattes – einen massiven Personalabbau um ein Viertel der Stellen in der Redaktion durchzudrücken“, erklärte Corinna Pfaff, Geschäftsführerin des Deutschen Journalisten-Verbandes Mecklenburg-Vorpommern (DJV). Die verbleibenden Mitarbeiter müssten immer neue Aufgaben, etwa für die digitalen Kanäle, übernehmen, was – neben unvermeidlichen Qualitätsverlusten – die Anforderungen an jeden Einzelnen kontinuierlich erhöhe. „In einer solchen Situation auch noch eine Schlechterstellung der Journalisten im Nordosten zu fordern, wie das in den vorangegangenen Verhandlungsrunden mehrfach geschehen ist, bedeutet eine Provokation, die die Kollegen jetzt beantworten“, betonte Dörte Kutzner von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di).

    Bei einer Versammlung in Rostock beraten die in beiden Gewerkschaften organisierten Streikenden das weitere Vorgehen.

    In den vergangenen Tagen hatten bereits Journalisten in vielen Verlagen Deutschlands die Arbeit niedergelegt. DJV und ver.di fordern eine Anhebung der Gehälter und Honorare um 4,5 bzw. 5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und eine angemessene Zulage für Ausbilder von Volontären. Der BDZV bot zuletzt eine Erhöhung von zwei Prozent für die Zeit von Mai 2016 bis Ende 2017.

     

    Pressekontakt

    Cornelia Haß
    Bundesgeschäftsführerin
    Deutsche Journalistinnen- und Journalisten Union dju in ver.di
    Leiterin Bereich Medien und Publizistik Paula-Thiede-Ufer 10
    10179 Berlin
    Telefon: 030-6956 2320
    Mobil: 0160-152 88 27
    E-Mail: cornelia.hass@verdi.de