Aus- und Weiterbildung

    Buchtipps

    Buchtipps für Berufseinsteiger

    Es gib nicht den einen Weg Fuß zu fassen im Journalismus, es gibt viele. Es gibt nicht das eine Studium, das für den Berufsweg qualifiziert, sondern jedes Studienfach kann ein Sprungbrett sein. Und so, wie es viele verschiedene Medien und Themen gibt, so gibt es verschiedene Auftraggeber, Möglichkeiten der Akquise, Tätigkeitsfelder für gelernte Journalistinnen und Journalisten, PR-Fachleute, Kommunikationswissenschaftler. Interessante Bücher für den Berufseinstieg wollen wir hier vorstellen.

    • Gehetzte Journalisten - Begegnungen im Dauerlauf

      Gehetzte Journalisten tredition/Erwin Schwaiger Gehetzte Journalisten

      Ein Mosaik aus einem langen Berufsleben

      Es ist ein Rückblick auf eine lange und abwechslungsreiche Zeit als Journalist, Gewerkschafter, international engagierter Mensch, den Wolfgang Mayer, von 1977 bis 2011 Redakteur bei den Nürnberger Nachrichten, in seinem neuen Buch „Gehetzte Journalisten – Begegnungen im Dauerlauf“ gerade vorgelegt hat. In kurzen Berichten, Anekdoten, Miniaturen erzählt er aus seinem beruflichen Leben von Begegnungen und Erfahrungen, die ihm überliefernswert erscheinen und von denen er viele selbst in der Voloausbildung bei den Nürnberger Nachrichten eingebaut hat.

      Mehr bei M Online

      Wolfgang Mayer: Gehetzte Journalisten. Begegnungen im Dauerlauf. Verlag tredition GmbH Hamburg. 168 Seiten. 12.99 Euro

    • "Entmachtet die Ökonomen!"

      Entmachtet Tectum-Verlag Entmachtet die Ökonomen!

      Warum die Politik neue Berater braucht

      Nicht nur Politiker bekommen die Prognosen und Vorschläge der Wirtschaftswissenschaftler serviert, sondern auch die Medien. Doch was sind die Vorhersagen der Experten wert, die eine Weltkrise nicht haben kommen sehen? Wenig, sagt Frank Niessen, selbst promovierter Wirtschaftswissenschaftler, der aus der akademischen Karriere vor Jahren ausgestiegen ist, weil ihm das, was an den Hochschulen gelehrt wurde, immer unsinniger erschien. Er wirft der akademischen Lehre der Wirtschaftswissenschaftler vor, sich zu sehr als Naturwissenschaft zu fühlen und mit starren mathematischen Formeln zu arbeiten. Besser sollten sie den Menschen in den Mittelpunkt der Betrachtungen stellen und damit auch ethische, philosophische und soziologische Fragen stellen.

      Berühmte frühe Wirtschaftsforscher wie Adam Smith oder John Stuart Mill verstanden sich als Moralphilosophen, erst ab etwa 1870 verstanden sich die Wirtschaftsforscher mehr und mehr als Naturwissenschaftler. Statt die Marktwirtschaft in der Gesellschaft zu untersuchen, die Ziele für die Gesellschaft herauszuarbeiten und danach die Regeln für die Wirtschaft zu formulieren, stellen die Wirtschaftswissenschaftler die Marktgesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen. Diese Durchökonomisierung der Lebenswelt fördert den Lobbyismus und beruht auf dem Besitzbürger als Grundlage der Theorie, nicht auf dem Arbeitskraftanbieter, und fördert letztlich immer wieder die Kapitalbesitzer. Diese Lehre wird den Studierenden als alternativlos in den Standardwerke dargestellt, bemängelt Niessen und fordert mehr Pluralismus und der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung.

      Anhand von Beispielen führt Niesen die falschen Folgerungen der Wirtschaftswissenschaften vor, die auf Prämissen beruhen, die nicht einbeziehen, dass Menschen aufgrund wechselnder Situationen und geschichtlicher Veränderungen nicht immer gleich handeln, also in keine einfache mathematische Formel zu pressen sind. Im zweiten Teil des Buches stellt der Autor eigene Lösungsvorschläge für eine Gesellschaft vor, die sich die Wirtschaft als Mittel zum Zusammenleben unterordnet, und sie nicht als eigentlich Zweck in den Mittelpunkt stellt.

      Diese etwas andere Betrachtungsweise, die seit dem ersten Bericht des Club of Rome in der Gesellschaft durchaus Anhänger gefunden hat, die den Zusammenhang von Ressourcen, Klima, Umweltschutz betont, ist nach Niessens Ansicht in den Hörsälen noch nicht angekommen. Und so werden die Studierenden nach der angeblich alternativlosen Wissenschaft, die aber bei Voraussagen und Rezepturen  für den Arbeitsmarkt, die Kapitalentwicklung etc. so oft versagt, immer weiter ausgebildet - auch die, die später als Wirtschaftsjournalisten arbeiten.

      Susanne Stracke-Neumann

      Frank Niessen: Entmachtet die Ökonomen! Warum die Politik neue Berater braucht. Mit einem Geleitwort von Prof. em. Dr. Peter Ulrich. Tectum Verlag 2016, 168 Seiten, 17.95
      ISBN 978-3-8288-3623-5

      www.tectum-verlag.de

    • Handyfilme als Jugendkultur

      Handyfilme Susanne Fuellhaas/UVK Handyfilme

      Forschungsprojekt in der Schweiz als Grundlage

      Handyfilme sind ein neues audiovisuelles Medium, das mit der Weiterentwicklung der Smartphone-Technik zunehmend Verbreitung findet. Das Phänomen Handyfilm wird in diesem Buch auf der Grundlage eines mit Jugendlichen in der Schweiz durchgeführten Forschungsprojektes untersucht. Im Mittelpunkt stehen jugendliche Akteure, die ihr medienkulturelles Handeln zur Bewältigung und Konstruktion ihres Alltags sowie zur Identitätsarbeit einsetzen.

      Das Buch vermittelt erstmals systematisches Wissen zu Handyfilmen und den damit verbundenen Praktiken. Die Handykamera sowie die mit ihr hergestellten Filme werden unter technischen sowie medien- und kulturgeschichtlichen Aspekten beschrieben. Es werden jugendkulturelle Amateur-Praktiken rund um das Filmen mit dem Handy vorgestellt und die Filme hinsichtlich ihrer medialen und ästhetischen Eigenschaften analysiert.
      Im Anhang geben die Autoren Empfehlungen, wie Handyfilme in der Schule und in der offenen Jugendarbeit eingesetzt werden können und wie das kreative Potenzial von Handyfilmen genutzt werden kann.

      Das Buch enthält zahlreiche Farbabbildungen und richtet sich an Fachleute aus der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit sowie an Studierende und Lehrende an Fachhochschulen und Universitäten.

      Ute Holfelder, Christian Ritter: Handyfilme als Jugendkultur. UVK, Konstanz, München 2015. 150 Seiten. 19,99 Euro

      www.uvk.de

    • Sprache ist Politik

      Politisches Framing Claudia Ott/Fotolia Politisches Framing

      Die Frames und das Denken

      "Sprache ist Politik." Das sagt die Hamburger Journalistin und Kognitionsforscherin in Berkeley, Elisabeth Wehling. Seit ihrer Dissertation beschäftigt sie sich mit der Wirkung, die Worte in der Politik haben, mit den Frames, unseren "Voreinstellungen" im Gehirn, die automatisch und unbewußt die Worte deuten und werten. Seit der erfolgreichen Kampagne "Yes we can" von Barack Obama hat die progressive Politik den Wert dieser "Framing-Docs" erkannt. Denn die bisherige Vorstellung, politisches Denken sei bewusst, rational und objektiv, hat die Kognitionsforschung längst zu Grabe getragen. Nicht Fakten bedingen unsere Meinungen, sondern Frames, sagen Wehling und ihre Kollegen. Frames ziehen im Gehirn die Strippen und entscheiden, ob Informationen als wichtig erkannt oder kognitiv unter den Teppich gekehrt werden. Frames sind immer ideologisch selektiv, und sie werden über Sprache aktiviert und gefestigt. In der Kognitionsforschung ist man sich daher schon lange einig: Sprache ist Politik.

      Das Buch Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht legt den Grundstein, nach den amerikanischen Politdebatten nund auch den deutschen politischen Diskurs genauer zu untersuchen. In einfacher Sprache deckt es zunächst auf, wie Sprache sich auf unser Denken, unsere Wahrnehmung der Welt und unser Handeln auswirkt. Es zeigt, wo die Wirkkraft mentaler Mechanismen wie Frames und Metaphern herrührt und macht deutlich, wieso es für gesunde demokratische Diskurse unabdingbar ist, die Bewertungen von Gesellschaft und Politik durch vorherrschende Frames mit eigenen Wertvorstellungen abzugleichen – und für eine authentische Vermittlung der eigenen Weltsicht zu sorgen. Diesen Grundlagen folgt eine Analyse der augenfälligsten Frames unserer deutschsprachigen Debatten über Steuern, Sozialstaat, Gesellschaft, Sozialleistungen, Arbeit, Abtreibung, Islam, Terrorismus, Zuwanderung, Flüchtlingspolitik und Umwelt.

      sus

      Elisabeth Wehling: Politisches Framing. Wie eine Nation sich ihr Denken einredet – und daraus Politik macht. Edition Medienpraxis 14, Halem Verlag, Köln 2016, 21 Euro.

      ISBN 978-3-86962-208-8, auch als E-Book (PDF und EPUB) erhältlich

      www.editionmedienpraxis.de

    • Die öffentliche Fieberkurve

      Skandal-Republik Edition Lingen Die Skandal-Republik

      Von der Entstehung und Funktion der Skandale

      Skandale haben verschiedene Formen, verschiedene Verläufe und variieren je nach Zeitalter und Betrachter. Die Themen verändern sich, ebenso das Ausmaß der Empörung. Es verändert sich nach der Einschätzung von Ludwig Greven, Journalist unter anderem bei „Zeit Online“, aber auch die „gesellschaftliche und öffentliche Fieberkurve“.

      Skandale seien heute oft ein Alltagsphänomen. Greven meint, die „ursprüngliche Aufgabe eines Skandals“ gehe zunehmend verloren: „dass sich die Öffentlichkeit immer wieder darüber verständigt, welche Regeln und Normen gelten sollen und welches Verhalten gerade von Führungspersonen sie toleriert und welches nicht.“

      Die Transparenz-Forderung der 68er, das Private sei auch politisch, sei „Segen und Fluch zugleich“ gewesen: „Für Skandalisierer bietet die Enttabuisierung der Privatverhältnisse eine breite Angriffsfläche.“ Der Skandal führe zur öffentlichen Umkehrung des Rechtsstaatsprinzips: Das Skandalobjekt muss seine Unschuld beweisen.

      Leider gebe es im Netz nicht nur die Schwarmintelligenz, sondern auch die digitale Massenhysterie, die vom Tübinger Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen als „neue Empörungsverhältnisse“ bezeichnet wird und auch „Netzberühmtheiten wider Willen“ schafft.

      Nach Grevens Beobachtung hat die Aufregung im Netz heute nicht mehr den früheren aufklärerischen Aspekt des Skandals. Das kritische Moment des Skandals komme aber erst, wenn die Empörung aus der virtuellen Welt in der realen ankomme.

      Nach den Kapiteln der allgemeinen Betrachtung von Skandalen führt Greven etliche Beispiel berühmter „Skandale“ vor, zeigt ihre große Bedeutung wie bei der „Spiegel-Affäre“ für die Verteidigung der Pressefreiheit. Er schildert die Empörung sozusagen aus falschem Anlass wie beim Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg - in deren Darstellung dem Autor allerdings ein zeitlicher Fehler gerutscht ist, denn die Buchrezension wies die Copy-and-Paste-Methode bei Guttenbergs Dissertation schon aus - oder die, auch journalistische, Hysterie wie beim Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff.

      Susanne Stracke-Neumann

      Ludwig Greven: Die Skandal-Republik. Eine Gesellschaft in Dauererregung. Edition Lingen Stiftung. Köln 2015. 170 Seiten. 12,95 Euro

      www.edition-lingen-stiftung.de

       

    • "Auf der Flucht": Reportagen rund ums Mittelmeer

      Auf der Flucht Vianney Le Caer/Zuma/picturedesk.com Auf der Flucht

      "Ein Buch kann man weglegen, die Realität nicht"

      Seit 1991 arbeitet Karim El-Ghawary als Nahostkorrespondent, seit 2004 ist er Leiter des Büros des Österreichischen Rundfunks ORF in Kairo. Seine Kollegin, Mathilde Schwabeneder, leitet das ORF-Büro in Rom seit 2007. Die beiden Korrespondenten haben sich in diesem Band mit ihren Reportagen zusammengetan um ein Bild zur Flüchtlingsproblematik rund um das Mittelmer zu bieten.

      Das Buch ist keine leichte Kost, weder für die Reporter, noch für die Leser, wie El-Ghawary zugibt. Er könne es verstehen, wenn die Leser es nach der Hälfte zuklappten, doch „ein Buch kann man weglegen, die Wirklichkeit nicht“.

      Die Autoren schildern Schicksale aus Syrien, Irak und Nordafrika, berichten über Fluchtversuche durch die Wüste und über das oft unterschätzte Mittelmeer, beschreiben das meist vergebliche Bemühen italienischer Strafverfolger, die großen Schlepper und Menschenhändler zu erwischen, die früher selbst oft Flüchtlinge waren. Sie berichten von Hilfsaktionen und ehrenamtlichen Helfern und den behördlichen Hemmnissen und finanziellen Restriktionen in der EU, die den nach jeder Katastrophe mit Hunderten von Ertrunkenen vorgebrachten Vorsatz „Nie wieder darf das passieren“ als hohles Gerede erweisen.

      Trotz der vielen niederdrückenden Geschichten gibt es einen optimistischen Ausblick: Das oberösterreichische Dorf Großraming, das die Aufnahme von Flüchtlingen zunächst gänzlich ablehnte und dann lernte, umzudenken, eine Art „gallisches Dorf“: „Eine Gruppe unbeugsamer menschlicher Ehrenamtlicher, allein gelassen von jeglicher staatlicher Unterstützung und von der Politik“.

      Ein Wunsch steht am Endes des Reportagenbands: „Vielleicht hat Sie dieses Buch ein wenig auf diesen Moment vorbereitet, an dem bei Ihnen ganz konkret kleine Gesten gefragt sind oder Ihr großes Engagement auch einen großen Unterschied macht. Ihre Offenheit und Ihre Empathie gegenüber Flüchtlingen sind dann wahrscheinlich die wichtigsten menschlichen Spenden.“

      Susanne Stracke-Neumann

      Karim El-Ghawary / Mathilde Schwabenender: Auf der Flucht. Reportagen von beiden Seiten des Mittelmeers. Kremayr & Scheriau. Wien 2015. 188 Seiten, 22 Euro. Auch als E-Book erhältlich.
      ISBN 978-3-218-00989-8

      http://www.kremayr-scheriau.at/bucher-e-books/auf-der-flucht-763

    • Fotografie und Fotojournalismus

      Orientierung in der großen Zahl der Ausbildungsmöglichkeiten

      Education is the key - dies gelte für alle Berufsbilder, alte wie neue, im Bereich der visuellen Kommunikation, so der Bundesverband professioneller Bildanbieter (BVPA): "Egal ob Fotografie, Mediengestaltung, Illustrationsdesign oder Visuelles Marketing: Grundlage einer qualifizierten Ausübung sind Studium oder Berufslehre. Aber auch für diejenigen, die schon länger im Geschäft sind, ist ein regelmäßiges Fortbilden unerlässlich."

      Mit der aktualisierten PDF-Ausgabe „Learn&Study“ des PICTA-Magazins will der Bundesverband vor dem anstehenden Wintersemester Orientierung in der großen Auswahl der Studien- und Ausbildungsgänge bieten. Unter dem Weblink www.bvpa.org/picta_magazin/pictamag_learn_study2015.pdf steht das Themen-Special ab sofort kostenlos zum Download bereit.

      Lehrende, Absolventen und Bildexperten berichten über neue Anforderungen, Lehrinhalte sowie Tipps für den Berufseinstieg. Hinzu kommt eine kreative Bildsprache durch die Motive der BVPA-Mitgliedsagenturen, die dem Heft eine ganz besondere Ästhetik verleiht.

      Ein besonderes Highlight wartet ganz am Schluss der PDF-Ausgabe: Interessierte finden hier eine der umfassendsten Übersichten visueller Studien- und Ausbildungsgänge in Deutschland, Österreich, Schweiz und anderen europäischen Ländern.

      Themen-Special „Learn&Study“ kostenlos als PDF: www.bvpa.org/picta_magazin/pictamag_learn_study2015.pdf 

    • So geht Fernsehen!

      So geht Fernsehen Schüren Verlag So geht Fernsehen

      Erfolgreicher Videojournalismus braucht technisches Basiswissen. Dieser „Leitfaden für Profis und die, die es werden wollen“ schlägt die Brücke zwischen dem „Handwerk“ der Journalisten und dem „Handwerk“ von Kameraleuten, Technikern und Cuttern. Die theoretischen Hintergründe der Film- und Fernsehgestaltung werden erläutert und der Autor führt auf dieser Grundlage Technik und inhaltliche Vorhaben zusammen.

      Peter Vinzens zeigt mit seiner langjährigen Erfahrung, wie ein Fernsehvorhaben – sei es ein kurzer Magazinbeitrag oder eine lange Dokumentation – organisiert und zu einem fertigen Produkt geführt werden kann. Er gibt Antworten auf die Fragen: Wie kann ein Film aussehen? Wie wird er kalkuliert? Wie kann die Kameraarbeit verstanden werden? Was ist wichtig in der Teamarbeit? Welche Schnitttechniken helfen dem Filmemacher? Wie kann das Vorhaben realisiert werden und welche Möglichkeiten gibt es für den Verkauf des Films?

      Peter Vinzens: So geht Fernsehen! Schüren Verlag, 262 Seiten, 34,00 Euro
      ISBN 978-3-89472-915-8

      http://www.schueren-verlag.de/

    • Reden | Schreiben | Wirken

      Redenschreibenwirken Ivo Mayr /Correct!v Redenschreibenwirken

      Und ganz nebenbei ein besserer Mensch werden?

      So behauptet es jedenfalls der Untertitel des Büchleins des Juristen, Journalisten, DGB-Pressesprechers und Redenschreibers für Politiker, Markus Franz. Franz gibt eine Menge Tipps, wie man knackige, aussagekräftige Reden schreibt, für sich und für andere. Das mit dem besseren Menschen, das ist vielleicht vor allem dann gefragt, wenn der Redenschreiber für andere Redner schreibt - und sein Ego hinten anstellen muss, sich anpassen muss, auch Ablehnung durch den Redner erfahren muss. Allerdings predigt er auch bei eigenen Reden Kürze, Emotion, Humor und vor allem, sich zu überlegen, was man wirklich sagen will und wie wichtig es für einen ist. Und das kann ja in der Kommunikation mit anderen Menschen auch nicht schaden.

      Redenschreiben ist schwer, schickt der Autor voraus, gute Reden zu schreiben verlangt, sich wirklich Mühe zu geben, an den Sätzen zu feilen und vor allem einen Roten Faden zu finden, an dem man sich mit den unterzubringenden Fakten entlanghangeln kann. Aus eigener Erfahrung: Stimmt! Redenschreiben für andere, sogenanntes Ghostwriting, verlangt nicht, ein enges Verhältnis zu seinem Auftraggeber zu haben. Stimmt auch. "Aber besser wär's schon", schreibt Franz und auch das ist leicht zu unterschreiben.

      Franz, der das Redenschreiben auch in Seminaren lehrt, zeigt in vielen, teils auch provokativen Beispielen und Kommentaren, was er unter einer guten Rede versteht. Das ganze Buch ist selbst als Rede - und als Dialog mit dem Leser - konzipiert. Amüsant zu lesen, aber immer wieder auch mit Punkten zum Nachdenken, eventuell zur Rückschau auf eigene Reden. Illustriert ist es mit witzigen Fotos von Ivo Mayr. Und das mit dem besseren Menschen, das muss wohl jeder für sich selbst ausprobieren.
      Susanne Stracke-Neumann

      Markus Franz: Reden Schreiben Wirken - und ganz nebenbei ein besserer Mensch werden. Correct!v - Bücher für die Gesellschaft. 157 Seiten. Mit Fotos von Ivo Mayr. 20 Euro.

      ISBN: 978-9816917-5-7

      http://correctiv.jimdo.com//#cc-m-product-11151104125 

    • Kommunikation als Lebenskunst

      Kommunikation als Lebenskunst Carl Auer Verlag Kommunikation als Lebenskunst

      Die vier Botschaften einer Äußerung

      „Die vier Botschaften einer Äußerung" – wer kennt dieses Kommunikationsmodell nicht aus Schule oder Studium? Der Hamburger Psychologe Friedemann Schulz von Thun entwickelte damit bereits 1981 ein differenziertes Werkzeug zur Analyse von Kommunikation, indem er nicht nur den Sachinhalt, sondern auch Selbstkundgabe, Beziehungsaspekt und Appell in den Blick nimmt. Diesem Kommunikationsquadrat folgten weitere Modelle zu Verständlichkeit, Beziehungsdynamik, vielstimmigem Ich und Werten – basierend auf dem Bild eines Menschen, der sich zwischen Gegensätzlichem positionieren muss. Schulz von Thun liefert keine Rezepte oder allgemeingültige Normen für gelingende Kommunikation, sondern sensibilisiert für die „Stimmigkeit" der persönlichen Lösung in einer gegebenen Situation. 

      Im Gespräch mit dem Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen werden diese Denkmodelle lebendig. Die beiden setzen durch empathisches Frage- und Antwortspiel, gewürzt mit klugen Zitaten, biografischen Anekdoten und veranschaulicht durch Grafiken und kurze Erklärstücke ein Kommunikationspuzzle zusammen, das zur wohl ausbalancierten Lebenskunst wird. Eindrücklich belegen das Kostproben vielfältiger Anwendungsmöglichkeiten – in Arbeitswelt, Pädagogik, interkultureller Kommunikation.

      Für Medienprofis ist das „keine schlechte Grundschule" – wie der „Kommunikationspapst" bescheiden anmerkt.

      Bärbel Röben

      Bernhard Pörksen, Friedemann Schulz von Thun: Kommunikation als Lebenskunst. Philosophie und Praxis des Miteinander-Redens. Carl Auer Verlag, Heidelberg 2014. 217 Seiten. 24,95 Euro

      ISBN 978-3-8497-0049-2

      www.carl-auer.de

    • Der unsichtbare Mensch im Internet

      Der unsichtbare Mensch Czernin Verlag Der unsichtbare Mensch

      Die Klarnamendebatte: Ein Stellvertreterkrieg?

      Die junge österreichische Journalistin Ingrid Brodnig ist in ihrem Buch „Der unsichtbare Mensch – Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert“ der Frage nachgegangen, wie es kommt, dass anonyme Kommentare im Internet zuweilen in hasserfüllter Zügellosigkeit ausarten und was man dagegen tun könne. Brodnig konstatiert: Augenkontakt hat eine aggressionshemmende Wirkung, der fehlt hier. Und sie überlegt ob man Online-Signale einbauen könne, die non-verbale Zeichen ersetzen? Ein bisschen scheint dies schon durch die sogenannten Emoticons der Fall zu sein. Allerdings eher nicht in den Diskussionsschlachten, zu denen manche Kommentarblogs ausarten.

      Arianna Huffington verkündete im August 2013, keine anonymen Kommentare mehr zu bringen, denn „die Meinungsfreiheit soll Menschen dienen, die zu ihrer Meinung stehen“ und verlangte, „wir müssen eine Plattform entwickeln, die die Bedürfnisse des erwachsen gewordenen Internets erfüllt“. David Pogue, früherer Technikkolumnist der New York Times, beobachtete: „Online sieht einen niemand, hört einen niemand.  … Wenn man inmitten dieser Abermillionen Stimmen gehört werden will, neigt man dazu, zu schreien, schriller zu werden in seinen Aussagen. Mich betrübt das. Ich wünschte mir zutiefst, Menschen würden online mehr Räson annehmen.“

      Hass hat im Internet allerdings eine extrem ansteckende Wirkung, sieht Brodnig und beobachtet ein Umdenken in der Medienbranche: Immer mehr Medien und Online-Dienste wollen die Störer und Trolle nicht länger hinnehmen, schließen ihre Kommentarspalten.

      Doch die junge Autorin ist nicht dafür, die Anonymität abzuschaffen, sondern als User mehr Verantwortung zu übernehmen. Ihre These: Nicht die Anonymität ist das Kernproblem der Aggressivität im Netz, sondern das Gefühl der Unsichtbarkeit – auch wenn es gar nicht stimmen muss, wenn der hasserfüllte Blogger doch feststellbar ist.

      „Zunehmend geht es um die Frage, welche Regeln und Normen die Community braucht und wie die Bedürfnisse des Einzelnen mit denen der Gemeinschaft zu vereinbaren sind. Das ist der Grund, warum die Klarnamendebatte mit so viel Leidenschaft und Vehemenz geführt wird, geht es doch dabei um das Miteinander und um die Machtverhältnisse zwischen Individuum, Gesellschaft und Staat.“

      Während Facebook bei Klarnamen sehr streng ist, erlaubt Twitter dezidiert Pseudonyme, führt sie aus: „Das macht deutlich, dass Websites und ihre Programmierer eine ungeheure Macht haben. Sie legen fest, welche Form von menschlicher Interaktion sie erlauben. Das Internet ist somit nicht wertneutral.“ Und die zu Beginn des Internets euphorisch verbreitete Netzideologie, dass „aus der Anonymität ein besserer Mensch geboren wird“, hat Brodnig auch nicht als wahr gefunden.

      Ein spannendes, lesens- und nachdenkenswertes Buch mit vielen interessanten Beispielen.

      Susanne Stracke-Neumann

      Ingrid Brodnig: Der unsichtbare Mensch. Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert. Czernin Verlag. Wien 2013. Seiten: 176.
      Buch 18,90 Euro
      ISBN: 978-3-7076-0483-2
      E-Book 14,99 Euro
      ISBN: 978-3-7076-0484-9

      http://www.czernin-verlag.com/autor/ingrid-brodnig

       

    • Ein glitzerndes Nugget der Neuigkeit

      Recherchieren UVK, Susanne Fuellhaas Recherchieren

      Volker Lilienthal über hartnäckiges Recherchieren – auch außerhalb des Internets

      „Ein recherchierender, also nicht bloß nachplappernder oder kommentierender Journalist ist einer, der mehr wissen will, der möglichst unvoreingenommen an eine Sache herangeht und sich überhaupt erst mal selbst ein Bild macht“, schreibt Volker Lilienthal, Professor für Qualitätsjournalismus in Hamburg, in seinem Bändchen „Recherchieren“ aus der Reihe “Wegweiser Journalismus“.

      Der englische Begriff „Investigation“ weise daraufhin, dass „im hartnäckigen, kritischen Rechercheur auch ein Detektiv stecken kann“. „Dieser Typ von Journalist hört geduldig aber auch jenen lieben Mitmenschen zu, die sich gerne selber reden hören – er hört so lange zu, bis im Geröll des üblichen Geplappers ein glitzerndes Nugget der Neuigkeit aufscheint.“ Und dafür empfiehlt Lilienthal nicht das Internet, sondern das Telefon – wenn ein echtes Treffen nicht möglich ist. Damit ist dann auch die Eingangsfrage des Buchs zum Teil beantwortet: „Wie haben Sie eigentlich früher recherchiert, als es noch nicht Google gab?“

      Sorgfalt und penible Akkuratesse sind dabei oberste Pflicht im investigativen Journalismus: „Mit seiner kritischen Erbsenzählerei geht er Leuten manchmal ziemlich auf die Nerven – und das ist gut so.“ Recherche ist für Lilienthal neben dem Schreibenkönnen die wichtigste journalistische Basisqualifikation: „Ohne sie geht gar nichts.“ Recherche heißt aktive Informationsbeschaffung, nicht das Warten in der Redaktion auf Pressemitteilungen. Für Lilienthal ist es eine wesentliche Führungsaufgabe, diese Recherche in den Redaktionen durch gute Organisation zu ermöglichen.

      In neun Kapitel gliedert Lilienthal seine Ratschläge: Wie man eine Recherche planvoll anlegt oder wie man bei einer Online-Recherche den Überblick behält sind zwei davon. Ethische und rechtliche Fragen werden behandelt sowie die Überprüfung und die Publikation. Zum Schluss gibt es noch Hinweise auf Rechercheberichte aus der „Werkstatt“ des Magazins „Message“ und einige Recherchestipendien.

      Susanne Stracke-Neumann

      Volker Lilienthal: Recherchieren. Schriftenreihe: Wegweiser Journalismus Band 7. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz, München 2014. 142 Seiten.

      Als Buch 14,99 Euro, ISBN 978-3-86764-217-0
      Als E-Book 11,99 Euro, ISBN 978-3-86496-545-6

      www.uvk.de

    • Survival Kit für Journalisten

      Cover Survival Kit UVK, Susanne Fuellhaas Cover Survival Kit

      Traumberuf oder nicht - Tipps für Berufseinsteiger

      "Trotz Medienkrise und zunehmender Freiberuflichkeit bleibt Journalist ein Traumberuf", schreibt Romy Heinrich in ihrem Bändchen "Survival Kit für Journalisten in der UVK-Reihe "Wegweiser Journalismus". Nach Beobachtungen beider Journalistengewerkschaften ist dies allerdings nicht mehr der Fall, jedenfalls nicht für diejenigen, die sich heute nach dem Abitur für einen Berufsweg entscheiden wollen oder müssen. "Nachwuchsjournalisten stehen Schlange, um ein unbezahltes Praktikum machen zu dürfen." Das gilt nach wie vor für diejenigen, die bereits in der Bewerbungsschleife stecken. Wie sich das durch den gerade eingeführten Mindestlohn, der bei Praktika nach Ablauf von drei Monaten auch greifen soll, auswirkt, ist noch nicht anzusehen.

      "Doch der Königsweg – Studium, Volontariat und Praktika – funktioniert heute nicht mehr. Will der Journalist vom Schreiben seine Miete zahlen können, muss er heute gleichzeitig Unternehmer und PR-Agent sein. Will er darüber hinaus erfolgreich sein, muss er zur Marke werden." Der Königsweg, der eigentlich aus der Reihenfolge Studium und Praktika, Volontariat, Übernahme als Redakteur/in bestehen sollte, funktioniert nicht mehr, da in allen Verlagen der Rotstift übernommen hat und die Redaktionen schrumpfen. Wann sich dies ändert, wann die Verlage, die laut Verlegerverband ja die "besten Köpfe" in ihreh äuser locken wollen, selbst den "Fachkräftemangel" in ihren Redaktionen bemerken, lässt sich schwer vorhersagen. Auf jeden Fall ist bei den Abiturientinnen und Abiturienten die PR auf dem besten Weg, zur ersten Wahl zu werden, und nicht mehr nur der finanzielle Notnagel für die nicht edel bezahlten "Edelfedern" zu sein.

      Wer sich von der sogenannten Zeitungs- oder Journalismuskrise nicht abschrecken lassen will, der kann sich auf das ihn oder sie erwartende Szenario mit dem "Survival Kit für Journalisten" vorbereiten, um das (Über)Leben als Journalist/in erfolgreich zu bestehen.
      Wie dies geht, verrät Romy Heinrich in diesem Ratgeber: von der eigenen Corporate Identity bis hin zum Markenaufbau mit dem eigenen Blog. Erfolgreiche in der Branche wie Sandra Maischberger, Harald Schmidt - eigentlich ein gelernter Schauspieler und Entertainer - oder Jörg Wontorra geben in Interviews ihre Erfahrungen weiter, Experten helfen mit Tipps für Beruf und Karriere.

      Susanne Stracke-Neumann

      Romy Heinrich: Survival Kit für Journalisten. Reihe "Wegweiser Journalismus" Band 12. UVK-Verlag, München, Konstanz 2014. 178 Seiten, 14,99 Euro.

      ISBN 978-3-86764-535-5

      www.uvk.de

    • Rassismuskritischer Sprachgebrauch

      Sprache schafft Wirklichkeit AntiDiskriminierungsBüro (ADB) Köln/ Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V./ Adrian Brachman Sprache schafft Wirklichkeit

      Nicht nur in Polizeimeldungen und nicht immer leicht zu erkennen

      Es sind nicht nur Polizeimeldungen, in denen oft rassistische Formulierungen verwendet werden. Sie sind nicht immer sofort zu erkennen und werden von Journalisten im alltäglichen Arbeitsstress oft ohne Nachdenken übernommen. Auch bei eigenen Texten unterlaufen den Autoren allzu leicht „Nachlässigkeiten“. Darauf macht eine Arbeitsbroschüre aufmerksam, die jetzt das Antidiskriminierungs-Büro Köln und „Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.“ herausgebracht haben. Wissenschaftler arbeiten unter anderem die Diskussion über das „N-Wort“ und die Berichterstattung über die NSU-Morde auf. Weitere Themen sind die Berichterstattung über „Muslim/innen oder solche, die dazu gemacht werden“ und „Aspekte des Antiziganismus“.

      Ergänzt wird das Heft von einem kleinen „Glossar und Checkliste“ mit dem Titel „Sprache schafft Wirklichkeit“. Hier werden rund 80 Stichwörter – von „Ausländer mit deutschem Pass“ bis „zivilisiert“ – auf ihre Bedeutung, Wirkung und (besseren) Anwendung hin erklärt.

      Nachlässigen Sprachgebrauch wird diese Broschüre nicht verhindern. Die Aufmerksamkeit von Journalistinnen und Journalisten, JournalistInnen und Journalist/innen schärfen kann sie allemal.

      Jürgen Schön

      Sprache schafft Wirklichkeit: Leitfaden für einen rassismuskritischen Schreibgebrauch – Handreichungen für Journalistinnen“ – Herausgeber: Antidiskriminierungs-Büro Köln (ADB) und „Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V.“ Köln, DIN A 4, 52 Seiten. Leitfaden und Glossar können gegen Porto oder eine freiwillige Spende bestellt werden: Öffentlichkeit gegen Gewalt e.V., Berliner Str.  97-99, 51063 Köln) Tel. 02 21 – 96 47 63 00) oder aus dem Internet heruntergeladen werden ( www.oegg.de)

    • Als Anfänger in der Radioredaktion

      Radio machen UVK Radio machen

      Ein Begleiter für den Hörfunk-Einstieg als Praktikant, Volontär oder freier Mitarbeiter

      "Radio machen ehißt: einfach sprechen. Gerade deswegen ist es nicht leicht, so leitet die Autorin Sandra Müller ihr Buch in der Reihe "Wegweiser Journalismus" ein. In acht Kapiteln bietet "Radio machen" einen Einstieg in die ersten Schritte in einer Hörfunkredaktion. Müller arbeitet selbst als Moderatorin, Redakteurin und Reporterin überwiegend für den SWR. Sie unterrichtet an der Uni Tübingen und beim Lernradio Karlsruhe. Ihre Kapitelaufhänger stammen allerdings direkt aus der Radiopraxis, etwa wenn das erste Kapitel überschrieben ist: "Mach da mal 'ne Meldung draus - Wie man einfach sagt, was Sache ist".

      Weitere Themen sind Umfragen, Beitrag schneiden und bauen, wie man den eigenen Text gut rüberbringt und was man aus den gebauten Beiträgen noch alles machen kann. In den letzten beiden Kapiteln bereitet sie auf die Live-Schalte und die eigene Moderation vor. Einige Übungen sowie eine Link- und Literaturliste runden das Buch ab, zu dem es außerdem eine eigene Website gibt, den Blog von Sandra Müller: www.radio-machen.de .

      Sandra Müller. Radio machen. 2. überarbeitete Auflage, Schriftenreihe: Wegweiser Journalismus, Band 11. UVK Konstanz und München 2014. 152 Seiten. 14,99 Euro

      ISBN 978-3-86764-446-4

      www.uvk.de

       

       

       

    • Die scheuen kleinen Ideentierchen

      Themen finden UVK UVK UVK Themen finden

      Der Wegweiser zum guten Themenfinden beginnt mit zehn Regeln zum Misserfolg

      Warum nach eigenen Themen suchen? Es gibt doch Agenturen, Fachmagazine, Pressekonferenzen – und überhaupt ist doch über alles schon geschrieben worden. Und wenn eine gute Idee, da nicht notiert, verschwindet, dann war es eben keine gute Idee! Aus dem ganzen oben genannten Material lässt sich doch ein bunter Infostrauß zusammenstellen… Dem hält Autorin Barbara Hallmann entgegen: „Journalismus funktioniert aber anders. …Journalisten sollten versuchen, abseits davon relevante Themen und starke Geschichten zu finden.“

      Warum? Damit nicht die Pressesprecher die Themen setzen, damit auch normale Leute ohne Pressestelle beachtet werden und damit die ganze Sache Spaß macht: „Gute Themen machen mehr Spaß“, ist Hallmann überzeugt. „Kinder und Tiere sind die halbe Schmiere“, lautet ein Journalistenspruch, aber auch bei diesen Themen sollten Variationen gefunden werden. „Gerade freiberufliche Autoren, die nicht auf ein sehr spezielles Themengebiet, sondern eher auf eine bestimmte Region festgelegt sind, sehen sich oft dem Druck ausgesetzt, ihren verschiedenen Kunden starke Angebote liefern zu müssen, und manche von ihnen verzweifeln schier in dieser Situation“, schreibt Hallmann und meint: „Da gibt es eigentlich nur einen einzigen Rat – und zwar den, endlich aufzuhören, sich davon fertigmachen zu lassen, die Suche nach Themen einzustellen und mit Recherche anzufangen. Und genau dazu will dieses Buch anleiten.“

      Themen finden auf der Straße, an der Pinnwand, im Vereinsregister, in den Kleinanzeigen, Leserbriefen, Social Media oder auch bei den Ausschreibungen von Journalistenpreisen – Hauptsache aber ist, im Alltag mit den Leuten zu reden und ihnen zuzuhören. Und bei Freelancern, die allein in ihrem Arbeitszimmer sitzen, sei für neue Ideen der Austausch mit Kollegen wichtig, sei es doch in einem gemeinsamen Büro oder zumindest bei Journalistenstammtischen und ähnlichen Treffen. Nicht um gemeinsam nach Themen zu suchen oder sich gegenseitig die Ideen zu stehlen, so die Autorin, sondern um vielleicht „beim Blödeln am Kaffeetisch“ auf neue Gedanken zu kommen. Dabei sollte man aber auch „alte“ Gedanken nicht außer Acht lassen und ein Archiv aufbauen, das die Frage erlaubt „Was wurde eigentlich aus…?“.

      Ein interessantes Buch für Berufseinsteiger, eine anregende und teils vergnügliche Lektüre auch für die Profis mit vielen bekannten Situationen aus Redaktion oder Selbstständigkeit.

      Susanne Stracke-Neumann

      Barbara Hallmann: Themen finden. 2. überarbeitete Auflage. Reihe Wegweiser Journalismus Band 4. UVK Verlagsgesellschaft. Konstanz, München 2014. 132 Seiten. 14,99 Euro.

      ISSN 1866-5365

      ISBN 978-3-86764-441-9

      www.uvk.de

    • Mit einer Prise Zucker

      Mit einer Prise Zucker Reinhard Alff, Bund-Verlag Mit einer Prise Zucker

      Irrwitzige Geschichten aus dem Alltag eines Betriebsrats als Comic

      Fünf Geschichten rund um die alltäglichen Herausforderungen der Betriebsratsarbeit von Leiharbeit bis Betriebsratswahl. Gezeichnet von Reinhard Alff und fachkundig kommentiert von Professor Wolfgang Däubler. "Mit einer Prise Zucker" ist der zweite Betriebsratsccomic nach "Alles in Butter". Es geht um Beleidigung des Chefs in einem Facebook-Forum, Kündigungen, Image-Kampagnen, Betriebsratswahlen, Leiharbeit und die Gründung eines Betriebsrats.

      Reinhard Alff/Wolfgang Däubler: Mit einer Prise Zucker. Irrwitzige Geschichten aus dem Alltag eines Betriebsrats.Bund Verlag. Frankfurt 2014. 112 Seiten. 14,90 Euro.
      ISBN 978-3-7663-6245-2

      http://www.bund-verlag.de/mit-einer-prise-zucker/

       

    • Fotografie und Konflikt

      Texte und Essays über (Foto)Journalismus in Krisenregionen

      Es ist ein schmales Bändchen, das sich mit schweren Fragen beschäftigt: Auf 76 Seiten reflektiert der Fotograf und Medienwissenschaftler Felix Koltermann über die Fotografie in Kriegs- und Krisenregionen. Wie bereitet man sich auf solche Einsätze vor? Wie wird der Berichterstatter mit der Kamera selbst zum Akteur? Zumindest in en Augen der Kriegsparteien, die Berichterstatter immer offensiver angreifen und in ihnen keine neutralen Reporter mehr sehen. Was steckt hinter der Diskussion um "Bilderkriege", den "Krieg der Bilder" und der "War-Porn"-Diskussion?

      Koltermann behandelt Fragen der Ethik ebenso wie praktische Fragen zum Verhalten in der Krisenregion bis hin zu Distribution und Publikation der Arbeitsergebnisse. Das Bändchen ist eine Auswahl seiner Texte aus seinem Blog "Fotografie und Konflikt". "Über das Verhältnis von Fotografie und Konflikt zu schreiben bedeutet, etwas in Worte zu fassen, das die Grenzen der Darstellbarkeit berührt", resümiert Koltermann seine Erfahrungen. "Letzlich geht es immer wieder um die zentralen Themen der Menschheit, um Fragen nach Humanität und Respekt, nach Nächstenliebe und Empathie." Bilder, so der Autor, waren noch nie reine Abbilder der Realität und werden es auch nie sein. "Aber sie können, wenn sie nach bestimmten journalistischen Standards produziert und kontextualisiert werden, ein Fenster zur Wirklichkeit sein."

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      Felix Koltermann: Fotografie und Konflikt. Texte und Essays. 2014. Books on Demand Norderstedt. 76 Seiten, 5,90 Euro.

      ISBN 978-3-7357-2397-0

      http://www.bod.de/buch/felix-koltermann/fotografie-und-konflikt/9783735723970.html

       

       

    • Bohlst du noch oder klumst du schon?

      Cover Bohlst du noch Gütersloher Verlagshaus Bohlst du noch oder klumst du schon?

      Hohle Idole

      Sein Werk sei ausdrücklich kein Buch „eines Fernsehkritikers für Fernsehkritiker“, schreibt Bernd Gäbler im Vorwort seiner Ausführungen über TV-Phänomene wie Dieter Bohlen oder Heidi Klum. In gewisser Weise ist es das natürlich doch geworden: weil es sich vorrangig an Leser richtet, die den Erfolg der entsprechenden Formate zumindest mit Skepsis zur Kenntnis nehmen; also keineswegs bloß TV-Kritiker, sondern auch Zuschauer, die sich dafür interessieren, wie solche Sendungen funktionieren. Im Rahmen der detaillierten Analyse von „Deutschland sucht den Superstar“, „Germany’s Next Topmodel“ oder „Berlin Tag und Nacht“ geht Gäbler der Frage nach, welche Rollen die Protagonisten als Stifter von Sinn und Gemeinschaft spielen. Er beschreibt, welches Menschenbild die Sendungen vermitteln, und widmet sich dem gesellschaftlichen Wandel, der den „Siegeszug des Banalen“ überhaupt erst ermöglicht hat. Die Lektüre ist schon jetzt ein Gewinn, erst recht aber in spätestens zehn Jahren, wenn die Formate nur noch eine Fußnote der Fernsehgeschichte sein werden.
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      Bernd Gäbler: „Bohlst du noch oder klumst du schon? Der Siegeszug des Banalen und wie man ihn durchschauen kann.“ Gütersloh 2013: Gütersloher Verlagshaus. 192 Seiten, 17,99 Euro. Auch als E-Book erhältlich.

      http://www.randomhouse.de/Autor/Bernd_Gaebler/p519605.rhd

       

    • Das verkannte Ressort

      Das verkannte Ressort Springer VS Das verkannte Ressort

      Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus

      Das größte Ansehen auf dem Printsektor genießen hierzulande die wenigen großen überregionalen Tageszeitungen wie FAZ und „Süddeutsche“. Für die Herstellung von kommunaler Öffentlichkeit dagegen sind andere Blätter wichtiger, viele Hunderte von Lokal- und Regionalzeitungen. Gerade im Zeitalter der Globalisierung wächst das Bedürfnis nach lokaler Identität, mithin das Interesse an solider Information über den Nahbereich. Das haben mittlerweile auch viele Verlage und Chefredaktionen erkannt, ohne dass dieser Erkenntnis Taten folgten. Noch immer ist das Lokalressort häufig schlechter ausgestattet als Politik, Sport oder Wirtschaft. Dieses Missverhältnis meinen offenbar die beiden Herausgeber des unlängst erschienen Sammelbandes zu „Problemen und Perspektiven des Lokaljournalismus“, wenn sie im Titel vom „verkannten Ressort“ sprechen. Die Geringschätzung hat mancherorts zum Entstehen „hyperlokaler“ Konkurrenz in Form von Blogs geführt, die freilich nur in wenigen Ausnahmen ihren Betreibern ein wirtschaftliches Auskommen sichern.

      Hervorgegangen ist der Band aus dem von der Landesregierung geförderten Projekt „Initiative Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen“ (INLOK) an der Uni Dortmund. Im Rahmen des Projekts wurden Lokaljournalist(inn)en zu Weiterbildungskursen an die Hochschule  und in verschiedenen Medienhäusern eingeladen. Die Erfahrungen aus dieser Fortbildung flossen in das Buch mit ein.

      Der Band thematisiert die Strukturen, Entwicklungen und aktuellen Probleme des Lokaljournalismus. Unter anderem geht es um Strategien gegen Leserschwund und sinkende Qualität, um investigative Recherche im Lokalen sowie die Entwicklungschancen verschiedener Sparten des Lokaljournalismus.  Auch die potentielle Bedeutung von Migranten  als Publikum, Werbekunden oder Journalisten für den Lokaljournalismus wird unter die Lupe genommen.

      Ein nützlicher Band nicht nur für den (lokal)journalistischen Nachwuchs, sondern auch für gestandene Blattmacher und Kommunalpolitiker.

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      Horst Pöttker/Anke Vehmeier (Hrsg.) Das verkannte Ressort – Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus, Springer VS Wiesbaden, 288 Seiten, 39,99 (Für Journalisten gibt es Freiexemplare  bei der Bundeszentrale für politische Bildung).

      ISBN 978-3-658-01138-3

      www.springer.com

    • Zeitung unter Druck

      Plädoyer für ein Kulturgut

      Bevor und nachdem dieses Buch herauskam, ist viel passiert in der  Presselandschaft. Die Financial Times Deutschland wurde dichtgemacht, die Nachrichtenagentur dapd ging vom Sender, die Frankfurter Allgemeine kassierte die Frankfurter Rundschau ein, Springer stieß die Berliner Morgenpost und das Hamburger Abendblatt ab, die Westfälische Rundschau wurde zum redaktionslosen Hohlkörper ...

      ... und so geht es munter weiter: Die Welt und Bild werden mit N24, den schon vorhandenen Online-Formaten und einem neuen Politmagazin verschmolzen – „printbasiertes  Digitalangebot mit zentralem Bewegtbildlieferanten“, heißt sowas neuerdings. Und der künftige Mitherausgeber des Berliner Tagesspiegel formuliert, er wolle „die Kernmarke durch Innovationen um markenaffine Produkte arrondieren“ – was auch immer das bedeuten mag.   

      Die langjährigen Zeitungsredakteure Norbert Bicher und Alfons Pieper wollen in dem von ihnen herausgegebenen Buch den Wert des gedruckten Wortes nicht in Frage stellen. Indem sie an die Verantwortung von Verlegern und Journalisten erinnern und die Unverrückbarkeit der Zeitung im demokratischen System herausstellen, befinden sie sich in bester Gesellschaft.

      Der von der Friedrich-Ebert-Stiftung verlegte Band „Zeitung unter Druck“ vereint 30 Beiträge zur Vergangenheit und zur Zukunft der Presse. Wie lange wird es noch Papierzeitungen geben? Manche sagen: 15 Jahre, andere: bis 2050. Zeitungen seien nutzlose Auslaufmodelle. Andere fragen, wie sich die Rolle der Zeitungen durch Digitalisierung, Netzwerke und Internetmedien wandelt. In etlichen Texten werden neue Konzepte, Rezepte und lukrative Geschäftsmodelle angedeutet.

      Gerd Manthey, Mediensekretär von ver.di in Baden-Württemberg, macht in seinem Beitrag Verlags-Manager verantwortlich, die ohne Gegenkonzepte in die Strukturkrise taumelten. Er regt an, über eine Medienstiftung zur Förderung der Pressefreiheit nachzudenken. Eine Lizenz wäre an allerlei demokratische Auflagen gebunden, „denn die Zeitungen müssen nicht vor dem Journalismus geschützt werden, sondern vor der Beseitigung von Medienvielfalt“. Der Chefredakteur und Herausgeber Giovanni di Lorenzo (Die Zeit/Der Tagesspiegel) rät, „mal etwas auszuprobieren“. Gerade weil Journalisten Seismographen gesellschaftlicher Veränderungen sein wollten, müssten sie „sich etwas einfallen lassen, um auf die geänderten Gewohnheiten und Bedürfnisse ihrer Leser zu reagieren“.

      Für etwas altmodischere Zeitungsleser, bei denen es am Frühstückstisch rascheln muss, sprach der 2013 gestorbene Kabarettist Dieter Hildebrandt. Er stellte sich vor, die Papierzeitung würde vom Markt verschwinden. „Das überlebe ich nicht.“ Denn: „Ohne Zeitung fängt mein Tag gar nicht erst an.“

      Helmut Lölhöffel

      Norbert Bicher/Alfons Pieper (Hrsg.): Zeitung unter Druck. Plädoyer für ein Kulturgut. Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin 2013. 12,90 Euro. ISBN 978-3-86498-647-5

    • Die Entstehung des deutschen Journalismus

      Baumert Nomos Verlag Baumert

      Die erste Sozial- und Berufsgeschichte des Journalismus

      Im vorliegenden Buch wird, eingeleitet und erläutert von Walter Hömberg, ein wichtiges Werk aus den 1920er Jahren erneut zur Verfügung gestellt. Die Arbeit über „Die Entstehung des deutschen Journalismus“ unternimmt den Versuch, die Entwicklung des Journalismus von seinen ersten Anfängen bis in die Zeit der Werkproduktion, also bis in die Weimarer Zeit nachzuzeichnen. Nach einer grundsätzlichen Behandlung der Funktionen des Journalismus legt Baumert ein Periodisierungsschema für die Ordnung der Journalismusgeschichte vor: Es reicht von einer „präjournalistischen Periode“ über die Stufen des korrespondierenden und des schriftstellerischen Journalismus bis zur Durchsetzung des redaktionellen Journalismus. Man kann und wird aus heutiger Quellenkenntnis manche Einwände gegen dieses Ordnungsschema, aber auch gegen Details der Darstellung vorbringen können und müssen. Gleichwohl bleibt Baumerts Studie ein wertvoller Solitär der Journalismuswissenschaft: Es ist der erste und bis heute auch der einzige Versuch einer geschlossenen Darstellung der Sozial- und Berufsgeschichte des Journalismus.

      Dieter Paul Baumert: Die Entstehung des deutschen Journalismus. Eine sozialgeschichtliche Studie. Herausgegeben und eingeleitet von Walter Hömberg, Nomos Verlag. Baden-Baden 2013, 186 S., Broschiert. 29 Euro- 
      ISBN 978-3-8487-0154-4

      Reihe ex libris kommunikation Band 11

      www.nomos.de